Das Schwarze Auge (4.1) Spielabend vom 18.02.2020 “Der Sturm”

Das Schwarze Auge (4.1) Spielabend vom 18.02.2020 “Der Sturm”

“Zu reisen ist zu leben.“ Hans Christian Andersen (1805-1875)

[Bild: Northmen – A Viking Saga (CH, D, ZA 2014)]

Aus den Tagebücher, Liedern und Texten des thorwalischen Skalden Tjure Fenrirson, chronologisch und nach seiner Priorität geordnet.:

„Manches von dem ich hier berichte, habe ich erst später erfahren:“ T.F.

3. Tag des Heimamonds [Efferd] im Jahr 2648 JL (nach Jurgas Landung) [1021 BF]

Nachdem wir im eroberten Turm in oder nahe der Küche genächtigt hatten, bereitete ich für meine Kameraden und die drei Gefangenen im ersten Stockwerk ein Frühstück aus dem gefundenen Proviant vor. Zur Verfügung standen uns Schinken, Würste, Brot, Äpfel und Käse. Während dessen besprachen wir, wie wir mit den Gefangenen umgehen sollten und welche Geschichte wir erzählen sollten, falls wir gefragt werden. Auf eine einheitliche Version, möglichst nahe an der Wahrheit, wollten wir wir uns einigen. Nur auf welche? Eine hitzige Diskussion brach unter uns Helden und den zwei Seefahrern aus Thorwal aus. Ausserdem ergänzte Fenja für uns noch die Information, dass der junge Mann, der damals Harder Walkirsson begleitete, dem Händler Wulfhard Wulfhardirsson in Virport, verwirrt vorkam. Ich verteilte das Frühstück. Dann nahm ich mir drei Holzteller und füllte diese mit schmackhaften Essen. Die drei gefüllten Holzteller brachte ich in den ersten Stockwerk zu den gefesselten, am Boden liegenden Gefangenen. Ich wollte die drei wecken, indem ich mit meinen Stiefeln an ihr Schuhwerk stieß und laut nach Aufmerksamkeit für mein Frühstück propagierte. Doch die drei blieben still liegen. Auch nach weiteren Versuchen, zeigte sich keine körperliche Regung bei den dreien. Ich rief an der Treppe nach meinen Kameraden. Vor allem nach Fenja, unsere Heilerin und dem Galdmader [Magier] Jorgan.

Fenja und Jorgan erschienen tatsächlich und stellten beide, zu unseren Erschrecken fest, dass die gefesselten Gefangenen tot waren. Keiner von uns drei konnten weitere äußere Einwirkungen feststellen. Fenja meinte, dass die Verletzungen der drei Gefangenen von ihr, letzten Abend, soweit versorgt waren, dass alle drei unmöglich daran in der Nacht verstorben seien konnten. Jorgan nahm seinen Zauberstab zu Hand, um diesen mit dem Zauber ODEM ARCANUM zu versehen. Nachdem er die Zauberformel aussprach, bewegte Jorgan die Spitze des mannshohen Zauberstabs mit der Faustgroßen Kristallkugel in der Luft herum. In der Kristallkugel verblieb er zwischen den drei toten Körpern und der Decke. Wir drei konnten in der Kristallkugel sehen, dass sich ein dunkler Draugar [Geist] in leicht humanoider Gestalt aus der Decke schälte und sich auf die zuvor noch lebenden Körper der Gefangenen legte. Es sah so aus, als würde der Draugar ihnen die Lebenskraft aus den Körpern saugen. Danach entschwand der Draugar, in Jorgans Kristallkugel, wieder in die Decke.

Wir drei schauten alle hoch zur Decke. Ein Schauder lief über meinen Rücken. Ich holte meinen Pottwalfischanhänger aus Mammuton hervor, den mir meine Mutter als Glücksbringer schenkte und küsste diesen schnell dreimal. Eine grobe Untersuchung der Decke und auch dem Stockwerk darüber, welches nur aus der Wehrzinne bestand, brachte nichts ungewöhnliches hervor. Wir informierten die anderen Kameraden, Coran, Finn und Jenssei, sowie die beiden Thorwaler Thorgal und Asleif über das Ableben der drei Gefangenen. Wir beschlossen gemeinsam, die drei Toten hier am Turm zu begraben. Dabei half ich mit. Die Sache mit dem Draugar wollten wir nicht weiter untersuchen. Während Jorgan sich eine Karte mit vielen Linien aus der Sammlung der Schriftrollen einsteckte, nahm Fenja das Herbarium mit. Fenja wollte, auf meinen Wunsch, meine Verletzungen versorgen, doch das schlug fehl und ich erlitt dadurch nicht unerheblichen Schaden.

Coran, Fenja und Jorgan wollten mit den beiden Thorwalern unsere Otta [thorwalisches Drachenboot] „Seepferdchen“ holen und mit der Otta eine nahe Bucht ansteuern. Das würde recht lange dauern, doch so wollten wir rechtzeitig aufbrechen, um den damaligen Zielort von Jandra „Sturmkind“ ansteuern. Coran und Fenja hatten herausgefunden, dass dieser Ort, weit im Norden, „Gjalskermund“ hieß. Als die Fünf Virport erreichten, begaben sie sich in die Halla des Jarls und holten den Kapitän unserer Otta, Walkir und den Seemann Hjelm, nicht ohne Widerstand, aus ihrem Rausch. Jorgan nahm in der Halla ein großes Mahl ein. Ausserdem befahl unser Galdmader, dass ab sofort auf der Otta genächtigt wurde; nicht in der gemütlichen warmen Halla des Jarls. Die beiden Thorwaler beschwerten sich mit den Worten: „Schwarze, Graue, Weisse, Magier sind scheisse.“

4. Tag des Heimamonds im Jahr 2648 JL

Die ganze Nacht hatte es geregnet. Jenssei nahm eine armvoll Brennholz mit und begab sich zu der verabredeten Stelle am Fjord, nahe des Turms. Finn unterstützte ihn dabei. In der Nähe der Fjordeinfahrt schichtete er das Brennholz auf, um es im rechten Moment, zur verabredeten späten Vormittagszeit zu entzünden. Nicht weit von der Stelle, gab es eine sandige Stelle, an der die Otta „Seepferdchen“ auflaufen sollte. Gleichzeitig am Morgen brach aus Virport die „Seepferdchen“ mit unseren Kameraden und den vier Thorwalern auf, um von Seeseite die nur 20 Schritt schmale Fjordeinfahrt anzusteuern. Jenssei entzündete das Brennholz, welches dunklen Rauch erzeugte. Walkir und die anderen auf der „Seepferdchen“ hatten dadurch keine Probleme, die Fjordeinfahrt zu erkennen, denn zusätzlich winkte Jenssei mit seinem Mantel und rief, als er die Otta sah. Die Otta fuhr in den Fjord ein und landete am Strand. Dort wurde ein Ottashjolm [provisorisches Nachtlager einer Otta] aufgeschlagen.Nun wollte Walkir wissen, wohin die Fahrt ging und warum wir dort hinfahren wollten, denn er wollte ursprünglich nach Laskar, den Schatz abholen und ihn nach Thorwal-Stadt bringen. Es bedeutete viel Erklärung und Überzeugungskraft von uns, ihn und seinen drei Seeleuten aufzuklären, was passiert war, welche Informationen wir in Virport erhalten hatten und dass wir nach Gjalskermund wollten. Walkir erzählte uns, dass sein Großvater dort, in der Nähe, Walrösser jagen war. Ansonsten kannte er die Gegend nicht. Man würde bestimmt fünf Tage brauchen, um nach Gjalskermund zu kommen, wenn man über das offene Meer fahren würde. Doch Thorwaler fahren zumeist in Sichtweite der Küste.

5. Tag des Heimamonds im Jahr 2648 JL

Wir (6 Helden und 4 Thorwaler) brachen mit der Otta „Seepferdchen“ auf in Richtung Gjalskerland, immer an der Küste entlang nach Norden. Dabei kamen wir in Virport vorbei. Da der Wind ungünstig blies und wir mit der Otta nicht kreuzten, mussten die sechs kräftigsten von uns wieder an die Ruder. Am Abend landeten wir am Strand einer kleinen Bucht und schlugen dort unser Ottashjolm auf.

6. Tag des Heimamonds im Jahr 2648 JL

Die Reise ging an diesem Morgen weiter. Wieder musste viel gerudert werden. Am Abend erreichten wir den Fischerort „Enskar“ an der Nordküste Nordthorwals am Fluss Thivor im Jarltum Ifirnsgard. Wir quartierten uns im hiesigen Gasthaus im leeren Schlafsaal ein. Beim Krämer kauften wir Werkzeuge, Holz und Nägel, sowie Proviant. Jorgan kaufte sich eine Robbenfellhose und eine Fuchsfelljacke. Wir anderen waren bereits für das kommende Winterwetter ausgerüstet. Wir lernten den Fischer Tjumme und seine Kollegen kennen, der war, wie Walkirs Großvater, auf Walrossjagd. Ich machte beide miteinander bekannt und sorgte dafür, dass unser Kapitän den Seeweg nach Gjalskermund genauer einschätzen konnte. Das wurde für mich ein teurer Spaß, denn bis zum Morgen hatten sie Getränke im Gesamtwert von 2 Golddukaten und 5 Silbertaler versoffen. Ich hätte festlegen sollen, dass ich nur Bier ausgebe. Kein Premer Feuer [starker thorwalischer Rübenschnaps].

7. Tag des Heimamonds im Jahr 2648 JL

Die Reise auf unserer Otta, über den Seeweg, ging weiter. Schon bald tauchten schwarze Wolken auf. Es herrschte sintflutartiger eisiger Regen und wütende schwere Wellen, die uns die Weiterfahrt erheblich erschwerten. Stunde um Stunde tobte ein Sturm. Jandra „Sturmkind“ hätte Efferd [Gott der Meere] womöglich ausgelacht. Uns allerdings machte das Wetter Angst, nachdem Asleif von einer Welle über Bord gespült wurde und in der wütenden See, verschwand. Nun überschlugen sie die Ereignisse und ich versuche die wichtigsten Geschehenisse und Taten zusammen zu fassen: Die dunklen Wolken rissen endlich auf. Ich stieß mir den Kopf an der Bordwand und verletzte mich dabei. Jorgen übergab sich. Finn musste mich an den Mast anbinden, an dem schon Jorgan sich selbst vorsichtshalber angebunden hatte. Nun mussten Jenssei, Coran, Finn und Fenja mit den verbliebenen Thorwalern Hjelm und Tjorgal rudern, während Walkir die Otta zu steuern versuchte. Dann war es Coran, der sich an seinem Ruderpaddel verletzte. Finns Knoten an mir hielt nicht, so rutschte ich in Richtung Bug. Fenja und Coran griffen nach mir. Jenssei verlor sein Ruderpaddel und verletzte sich dabei schwer. Jorgan bekam Jenssei´s Ruderpaddel zu fassen und gab es Coran. Der Mast brach und Jorgan wurde dabei erheblich verletzt. Walkir rief: „Die Taue kappen!“ Finn gelang es, die Taue zu kappen. Die Mastspitze hatte ein Loch in die Bordwand am Bug gebrochen. Eine Welle hebte die Otta hoch und schon ging es in ein Wellental, 15 Schritt tief.

Als die elementare Gewalten von Wind und Wasser den Mast über Bord gehen ließ, brach auch ein großer Teil der Bordwand am Bug weg. Wieder drohte ich in Richtung Bug zu rutschen; genau auf das Loch zu. Doch ich wurde gepackt und in die richtige Richtung gestoßen. Ich konnte mich gerade so im Inneren der Bordwand festhalten und geriet nicht in die tosende See. Nicht so mein Retter… Ich sah, wie Thorgal aus jenem Loch rutschte, das beinahe mein Verhängnis geworden wäre. Wie sein Kamerad Asleif, schluckte auch ihn die See. Während ich ein Stoßgebet zu Swafnir [Gott der Thorwaler] aussand, der Walgoptt möge die tapferen und uneigennütztigen Seelen der gefallenen Kameraden aufnehmen, ergriff ich ein Seil, welches ich mir mehrmals um den Bauch wickelte und an den restlichen Bug der „Seepferdchen“. Plötzlich erbete ein kräftiger Schlag die gesamte Otta. Vieles, von dem, was sich nicht festhalten konnte oder festgebunden war, vor allem der Proviant, ging über Bord. Die Otta hatte sich auf einem hervorstehenden Riff seitlich eingeklemmt. Die „Seepferdchen“ bewegte sich keine handbreit mehr von der Stelle, während es schien, als würde die Welt um uns herum, untergehen. Im rechten Augenblick sah Jenssei, die Harfe “Godsögnsvanir” [Legendensänger] von Bord gehen. Er griff nach der Handharfe in ihrer Ziegenledertasche; er ging dabei aber über Bord. Es war Finn, dem es gelang, Jenssei und die Harfe mittels eines Seils an Bord zu holen. So harrten wir sechs Helden und die zwei verbliebenen Thorwaler ab. Unser Schicksal kannten nur die Götter.

(An dieser Stelle beendeten wir den Spielabend)

Danke an Rike (Fenja), Claas (Finn), Christian (Jinssei), Henning (Jorgan), Stefan (Coran) und unseren Spielleiter Frerk.

Dirk Otto (Tjure) für Ludo Liubice

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