Das Schwarze Auge: Das Erwachen des Bornlands (18) “Unerwarteter Besuch aus Festum” (Spielabend vom 25.06.2019)

Das Schwarze Auge: Das Erwachen des Bornlands (18) “Unerwarteter Besuch aus Festum” (Spielabend vom 25.06.2019)

Die Helden Fernando, Aranel und Lovis trafen in dem Dorf Torsin (40 Häuser und das Gasthaus “Firunsruh”) auf die Dämonenjägerin Lay. Torsin lag nur eine knappe Wegstunde, südlich von Schloß Ilmenstein entfernt. Dorthin, zum Schloß, wollten die vier Helden die Baroness Marissja von Hattenfurt begleiten. Am späten Nachmittag des 4. Tages im Rondramond 1037 BF (nach Bosparans Fall) erreichten die Helden mit der Kutsche der Baroness das wohl berühmteste Schloss im Bornland. Die Schloßarchitektur war eher untypisch für das Bornland, sondern passte eher ins Liebliche Feld. Graf Aladur von Ilmenstein ließ es nach den Plänen des Jagdschlosses Baliiri (bei Vinsalt) errichten. Das Schloß mit seinen Nebengebäuden war von einer 2,5 Schritt hohen Mauer umfriedet, die eher in dieser Gegend recht häufigen Wölfe und andere wilde Tiere als gegen Überfälle durch menschliche Feinde, schützen sollte. Bei der Ankunft der Baroness wurde das schmiedeeiserne doppelflüglige Gittertor von zwei Gardisten bewacht, wobei einer der Gardisten gerade in dem Augenblick der Ankunft, aus einem nahen hohen Strauch herauskam und sich seine Hose richtete. Die Gardisten ließen die Helden und die Kutsche mit der Baroness passieren. Bei der Fahrt auf das Gelände ließ Lovis seine Augen auf die zahlreichen Details des Schloßhofes gleiten. Dabei fiel ihm der ungleichmäßige Stand des Schloßrasens auf. Auch der Weg zum Haupteingang des Schloßgebäudes wies Unregelmäßigkeiten auf. Der Kutscher Jasper hielt die vierspännige Kutsche der Baroness direkt vor dem Hauptgebäude von Schloß Ilmenstein. Dort erschienen zwei Personen. Ein einfacher Diener platzierte einen flachen Schemel vor der Kutschtür und öffnete diese. Ein weiterer höherer Diener, der sich als Majordomus von Schloß Ilmenstein, Lerjan Donnersjepen vorstellte, begrüßte die Baroness mit den Worten: “Willkommen auf Schloß Ilmenstein, euer Hochgeboren Marissja von Hattenfurt.” und verbeugte sich tief.

Schloß Ilmenstein und Gelände.

Marissja stellte Lerjan die Helden einzeln vor. Lerjan verbeugte sich bei jedem der Helden. Lerjan erwähnte, dass das erste Gästezimmer im ersten Stockwerk, dass der Vogt Linjan von Hattenfurt bei seinen Besuchen bevorzugte, nun der Baroness zustand, zur Zeit besetzt war. Und zwar von der edlen Dame Therinja zu Ilmenstein, einer Base weitesten Grades von Gräfin Thesia. Therinja war zwei Tage zuvor auf Schloß Ilmenstein angekommen. Die Helden berieten die Baroness, dass die edle Dame Therinja auch das Zimmer tauschen könnte. Marissja war aber dagegen. Sie befürchtete Streit und wollte diesem lieber aus dem Wege gehen. Darum nahm Marissja das zweitbeste Zimmer, gegenüber von Therinja. Den Helden wurden auch Zimmer im ersten Stock zugeteilt und Marissjas Zofe Rike ebenfalls. Kutscher Jasper bezog ein Zimmer im Gesindehaus.

Lovis wollte sich noch vor dem Abendessen den Rondratempel auf dem Schloßgelände anschauen. Der Rondrageweihte fand einen, seit längerer Zeit, unbenutzten Rondratempel vor, der vor allem eine weltliche Reinigung benötigte. Lovis wollte am folgenden Vormittag eine Andacht in dem Tempel halten, der nur die Ausmaßen eines etwas größerer begehbaren Schreins hatte. Er sprach einen Gardisten im Rang eines Korporals an, der sich darum kümmern wollte. Zum Abendessen hatten sich alle Helden einigermaßen passend umgezogen und waren im Großen Festsaal eingetroffen. Es wurde im kleinen Rahmen; nicht am großen Banketttisch gespeist, sondern abseits an zwei Ecktischen. Es traf gerade rechtzeitig der weibliche Offizier Eljascha Puschinske ein. Leutnant Puschinske war mit ihren 1,91 Schritt die größe bornländische Offizierin, die die Helden bislang gesehen hatten. Sie sah auch äusserst muskulös aus und trug blonde Haare in einem rondrianischen Kurzhaarschnitt. Lt. Puschinske stellte sich der Baroness entsprechend vor. Sie sagte, ihr unterstünden 35 Soldaten, inklusiver Unteroffiziere, für die Verteidigung von Schloß Ilmenstein. Die Soldaten waren allesamt Veteranen oder zumindest im Rang eines Gefreiten. Auf ihren Wappenrock prangte das Wappen von Haus Ilmenstein, Ein roter Ilmenblattzweig auf Silber.

Wappen Haus Ilmenstein:
Roter Ilmenblattzweig auf Silber

Dann traf auch die edle Dame Therinja zu Ilmenstein ein. Ihre Aufmachung war erheblich übertrieben bosparanisch. Ihr weites Kleid war in rosa und weiss gehalten mit einer übertriebenen weiss-rosa hochgesteckten Perücke. Auf Kleidung und Perücke waren ausgestopfte bunte Schmetterlinge und Singvögel angebracht. Als der Majordomus die einzelnen Helden Therinja vorstellte, verbeugte sich die edle Dame sehr übertrieben. Leutnant Puschinske stand während der ganzen Zeit. Der Halbelf Aranel schien der edlen Dame besonders zu gefallen. Dann speisten sie gemeinsam. Es gab ein Abendessen mit drei Gängen. Suppe, danach ein Fischgericht und einen sehr süßen Pudding als Nachtisch. Zu trinken gab es Wein, der Fernando nicht so sehr gefiel, wie der Wein aus dem Rahjatempel von Rodebrannt. Es schmeckte allen gut, nur Fernando fiel auf, dass das Abendessen sehr einfach und stillos war. Die Helden erinnerten Marissja an das Versprechen, gegenüber den Bewohnern vom Weiler “Storchennest”, auch Soldaten zu schicken. Die Baroness bat Leutnant Puschinske eine Hand, also 5 Soldaten, zu dem besagten Weiler zu schicken, um sie vor den räuberischen Goblins zu beschützen. Leutnant Puschinske sagte, sie würde sich darum kümmern. Therinja war sehr neugierig auf die Helden und die Vorkommnisse der letzten Tage.

Nach dem Abendessen ließen sich die Helden die Kunstsammlung mit den zahlreichen Portraits und Gemälden zeigen. Die Kunstsammlung beinhaltete auch ein besonders aufwendisches magisches Gemälde eines Astronoms bei seiner Arbeit. Der Raum zur Waffensammlung war verschlossen, ebenfalls die persönlichen Räumlichkeiten der abwesenden Schloßherrin Thesia von Ilmenstein. Die Helden erfuhren, dass Seine allergöttlichste Magnifizenz, Kaiser Hal von Gareth auf Schlosß Ilmenstein residierte, bevor er am 9.Phex 1010 BF bei einem Jagdausflug in den Ilmensteiner Wäldern spurlos verschwand. Kaiser Hal wurde nach 12 Götterläufen für tot erklärt und symbolisch zu Grabe getragen. Kaiser Hal erschien am 15.Phex 1028 BF auf der “Schlacht der drei Kaiser” auf den Aveswiesen vor Gareth. Dort starb er den Kriegertot. Dann zogen sich die Baroness und die Helden zurück auf ihre Zimmer, um in weichen Daunenbetten zu schlafen.

Die Räumlichkeiten von Schloß Ilmenstein.

In der Nacht wachte Fernando als einziger der Helden, nach einem lauten Geräusch, dass nach einem zersplittern von Glas klang, auf. Er wollte dem nachgehen und schaute auf den Flur. Dort sah er, nachdem er eine Zwischentür öffnete, eine bekleidete Gestalt, die die nordwestliche Treppe herunter ging. Fernando folgte der Gestalt ins Erdgeschoss. Vor der Vorratskammer sprach die Gestalt mit einer Angestellten des Schlosses. Fernando wollte die Person stellen, rief ihr nach und lief in ihre Richtung. Die Gestalt lief zur Eingangshalle und nahm die Treppe in den ersten Stock. Fernando folgte ihr ebenfalls laut rufend in den ersten Stock bis er sie vor den Gemächern der Baroness stellte. Die anderen Helden wurden durch Fernandos Tumult wach und gingen in den Flur, um den horasischen Adligen zu unterstützen. Der junge Adlige riss den breiten Hut der Gestalt herunter und erkannte Rike, die Zofe der Baroness. Marissja öffnete in dem Augenblick die Tür. Auch andere Angestellte hatten sich im Flur eingetroffen. Nur an der Tür von Therinja tat sich nichts. Die Baroness bat Rike und die Helden allesamt in ihr Zimmer und schloss die Tür. Sie erklärte, dass Rike in ihrem Auftrag unterwegs war. Rike gestand, dass sie versehentlich ein kostbares magisches Gefäß kaputt gemacht hatte, dass sie im Marissjas Auftrag, austauschen sollte. Außerdem hatte Rike einen magischen Trank eingenommen, der Marissjas Zofe einen ganzen Tag und eine ganze Nacht wach halten sollte und darum das Schlossinnere beobachten sollte. Nach dieser Aufklärung gingen die Helden wieder auf ihre Zimmer und schliefen durch.

Wer schläft wo auf Schloß Ilmenstein

Lovis wollte vor dem Sonnenaufgang des 5.Rondra, dem “Tag des Schwurs”, geweckt werden und machte danach auf dem Schloßhof seine Übungen. Danach vergewisserte er sich positiv davon, dass der Rondratempel gesäubert wurde. Zum Frühstück mit Eiern und Brot erschienen alle püntlich, bis auf Leutnant Puschinske. Diese hatte mit ihren verbliebenen Soldaten eine Übung angeordnet. Mit 20 Soldaten war sie ausserhalb des Schloßgeländes bei einem ausserplanmäßigen Manöver zugange. Auf dem Schloßgelände verblieben also nur noch 10 Gardisten, nachdem Lt. Puschinske eine Hand Gardisten nach “Storchennest” geschickt hatte. Therinja hielt sich an dem Tag sehr zurück; sowohl modisch als auch verbal. Die edle Dame war diesmal in einer bornländischen Tracht eines niederen Adels gekleidet. Lovis ließ sich vom Majordomus Lerjan den Schlüssel für die Geweihtenkiste im Rondratempel geben und bereitete seine Andacht vor.

Fernando wurde vom Majordomus Lerjan angesprochen und in die Schreibstube gebeten. Dort überreichte Lerjan dem horasischen Adligen eine Ausgabe des Aventurischen Boten mit einer markierten aufgeschlagenen Seite. Die Tür zum Kartenzimmer stand offen und Fernando sah kurz Karten aus der Umgebung von Schloß Ilmenstein. Der Bericht im Aventurischen Boten beschrieb, dass im Travia 1034 BF Therinjas erwachsene Kinder, Thila und Torjin, den Vogt Linjan von Hattenfurt und seine Tochter in Rodebrannt ausgesperrt hatten. Lerjan erklärte auf Nachfrage, dass es Marissja zu verdanken war, dass der Vogt die Burg betreten konnte und anschließend die kurzweilige Besetzung der Ilmensteiner Geschwister auflöste. Marissja hatte dem Vogt “…die Tore in die Burg geöffnet.” sagte der Majordomus. Beide berieten sich noch eine Weile und Fernando fragte nach der Legitimation, die Therinja nutzte, um Schloß Ilmenstein “zu besetzen”. Lerjan antwortete, dass die edle Dame aus Festum einen Brief von Thesia benutzte, den sie in ihren Gemächern hatte. Fernando wollte den Brief sehen und nahm wahr, dass Linjan verschmitzt einen Schlüssel unter einer Blumenvase gelegt hatte, bevor dieser in den Kartenraum zu gehen, um für eine laange Weile alte Karten zu sortieren.

Aventurischer Bote: Boron/Hesinde 1034 BF.

Aranel streunte ein wenig ziellos auf dem Schloßgelände umher. Lovis hatte die Zeremoniegegenstände aus der Geweihtentruhe des Rondratempels aufgebaut, sein Zeremoniegewand angezogen und begann unterdessen im aufgeräumten und sauberen Rondratempel seine Andacht. Lay und der Weibel Jucho Ilmensen, Stellvertreter von Leutnant Puschinske, waren anwesend und lauschten der Andacht. Insgesamt eine Stunde dauerte diese und der Weibel sprach anschließend mit Lovis. Jucho erzählte Lovis von der ehrgeizigen Eljascha und dass er selber nie die Gelegenheit hatte, Rondra aktiv zu dienen.

Fernando ging wieder in den ersten Stock, um zu beobachten, dass das Zimmer der edlen Dame Therinja, von Angestellten gereinigt wurde. Danach, als auch Therinjas Zofe, Marga Hardensoljoff das Zimmer verließ und hinter sich abschloss, betrat Fernando mit Hilfe des “gefundenen” Schlüssels das Zimmer der edlen Dame. Fernando sah sich um, fand auf dem ersten Blick aber nichts ungewöhnliches. Dann sah er sich nach Briefen um. In einer Reisetruhe fand Fernando ein Bündel von Briefen. Er nahm sie mit auf sein Zimmer um sich die Briefe in Ruhe durchzulesen. Die Briefe enthielten überwiegend nur persönliche unbedeutende Korrespondenz mit anderen Adligen des Bornlands und ihrer Kinder Torjin und Thila. Tatsächlich fand Fernando dann den besagten Brief, mit dem sich Therinja Zugang zu Schloß Ilmenstein verschafft hatte. In einem Nebensatz standen tatsächlich die Worte “…natürlich seid Ihr, werte Base Therinja, jederzeit als Gast auf Schloß Ilmenstein willkommen. Fühlt euch in dem Schloß unserer Vorväter, wie zuhause. Der Majordomus und die Angestellten werden, auch während meiner Abwesenheit, Euch dienlich sein und die Gardisten des Schloßes Euch so lange beschützen, bis ich mein Domizil wieder betrete…”. Fernando prüfte die Authentizität des Schreibens bis ins kleinste Detail und auch die Signatur und das Datum des Schreibens. Der Brief war echt. Fernando war sich sicher. Diesen Brief hatte Thesia von Ilmenstein vor fast 20 Götterläufen geschrieben. Was wie eine höfliche Floskel wohl von der Gräfin damals gedacht war, benutzte die edle Dame aus Festum jetzt um das Landleben in Sewerien, im Schloß ihrer Vorväter, zu nutzen; so schien es für Aussenstehende. Fernando aber war sich sicher: Therinja hatte etwas vor. Sie verfolgte einen ganz besonderen Plan. Wie der Plan lautete, wusste der junge horasische Adlige in diesem Momant noch nicht. Noch vor der Mittagszeit brachte Fernando die Schriftstücke wieder zurück an seinen Fundort.

Nach der Andacht bot Lovis seinem Kameraden Aranel an, dem Halbelfen den Umgang mit Schwert und Schild beizubringen. Aranel stimmte zu. Lay schaute zu, wie sich beide Abenteurer mit Übungsschwertern und Schilden aus den Gardistenunterkünften bewaffneten und damit eine dreiviertel Stunde lang auf dem hinteren Schloßgelände übten. Unterdessen ließ sich im warmen Spätsommermorgen Marissja vom Gärtner Orschin Jannerloff die Gartenanlage und vor allem das Gewächshaus mit den seltenen Pflanzen zeigen. Als vor der Mittagsstunde Leutnant Puschinske mit ihrer Truppe vom Manöver zurückkam, wurde sie von Lovis zurechtgewiesen. Sie verteidigte sich damit, ein Lager der Goblins aufgespürt und aufgelöst zu haben. Es wurden ein paar Goblins getötet, andere wurden in die Flucht getrieben. Es gab keine eigenen Verluste.

Für Lovis gab es keinen Grund für eine derartige kriegerische Handlung in diesem Gebiet. Für ihn war es unwahrscheinlich dass diese kleine Gruppe von Goblins etwas mit dem Überfall auf den Hof in der Nähe von “Storchennest” zu tun hatte. Weibel Jannerloff hatte recht, Leutnant Puschinske war ehrgeizig und wollte sich wahrscheinlich nur vor den Helden und der Baroness beweisen.

(An dieser Stelle beendeten wir den Spielabend)

Vielen dank an Christian (Lay), Henning (Fernando), Claas (Aranel) und Frerk (Lovis).

Dirk Otto für Ludo Liubice EV

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