“Der tiefe Fall des Dr. Erben – Teil 3: Die Beerdigung“ (Cthulhu-Spielabend vom 17.01.2020)

“Der tiefe Fall des Dr. Erben – Teil 3: Die Beerdigung“ (Cthulhu-Spielabend vom 17.01.2020)

“Nazis! Ich hasse diese Typen!”

Harrison Ford als Dr. Henry Jones jr. In Indiana Jones und der letzte Kreuzzug” (USA, 1989)

Während der Suchtrupp vom Förster Jakob Braun den verletzten Kutscher Horst Massow in das Dorf Schierke brachte, untersuchten die drei Investigatoren Elisabeth, Martin und Manfred die Umgebung der „Unfallstelle“ mit der Kutsche. Sie folgten den Schleifspuren, um den vermissten Gast Ludwig-Kasper Vorwälder zu finden. Doch der starke Schneefall bedeckte recht schnell die Spuren. Es wurde mittlerweile dunkel. Elisabeth benutzte eine Taschenlampe, um den Weg zu leuchten. Sie entdeckten einen Höhleneingang; doch tief hinein kamen sie nicht, denn schon nach einem knappen Meter war der Höhleneingang verschüttet. Die Investigatoren mussten rasch handeln, denn der Höhleneingang bot keinen Schutz vor dem Schneefall und der Kälte in der aufkommenden Nacht. Es stellte sich heraus, dass diese Höhle ein alter Stolleneingang der Minenanlage vom Brocken war. Martin trug den Ort auf seiner Karte ein. Von irgendwo her drang das weinen einer Frau in ihre Ohren. Dies kostete ihnen ein wenig geistige Stabilität. Die Investigatoren beschlossen, zurück zum Dorf Schierke zu gehen.

Auf dem Dorfplatz fanden sich die drei Suchtrupps nach Einbruch der Dunkelheit ein. Man hatte den verletzten Horst Massow in das Haus von Dr. Jakobi zur weiteren Behandlung gebracht. Vor dem Haus von Dr. Jakobi erkannten die Investigatoren die Kutsche von Dr. Erben und Jürgen Klammholder. Elisabeth hielt sich von Klammholder fern. Die drei Investigatoren klopften an Dr. Jakobis Tür. Erika Kampfen öffnete ihnen. Sie traten ein. Helga Steckelbert-Massow war auch anwesend. Die Investigatoren erfuhren, dass Horst leichte Verletzungen und einen gebrochenen Arm vom „Kutschenunfall“ davon getragen hatte. Wohl durch die Kälte mussten Horst einige Zehen amputiert werden. Dr. Erben war dabei eine große Hilfe, hieß es. Ausserdem hatte der gute Horst einen schweren Schock. Martin hatte kurz die Gelegenheit, mit Horst Massow zu reden. Dieser sprach von einem plötzlich umfallenden Baum, als das Unglück geschah. Das Ding, was Horst nicht beschreiben konnte, hatte ihm den Arm gebrochen und sich sofort auf seinen jungen Passagier, Ludwig-Kasper Vorwälder, gestürzt. Die Investigatoren hatten die Gelegenheit mit Dr. Jakobi und Dr. Erben zu sprechen. Man tauschte sich gegenseitig an Erkenntnissen aus. Dann gingen die drei Investigatoren zurück zum Hotel Waldesruh.

Am nächsten Morgen, Dienstag, den 17. Januar 1928 saßen die drei Investigatoren beim Frühstück zusammen im Hotel Waldesruh. Aus dem Sirren in Manfreds Kopf wurde ein weit entfernter Singsang, der ihm irgendwie bekannt vorkam. Er erinnerte sich an das Opferritual der „Priester der Krähen“, welches er 1925 im Flugzeughangar auf dem Priwall in Travemünde, erlebte. Manfred war ständig abgelenkt, verstand die Worte seiner Freunde meist als sinnloses Gebrabbel und fragte oftmals nach. Ausserdem hatte Manfred einen Heißhunger; besonders auf Fleisch und Wurst. Davon aß er zum Abendessen reichlich. Die unmotivierte Vertretung von Horst und Helga, Hildegard Schäfer kümmerte sich jetzt um das Hotel Waldesruh. Genervt fuhr Manfred mit Jürgen Klammholder und Dr. Erben in seiner Kutsche zum Kurhaus. An einer bekannten Stelle hörte Manfred wieder eine Frau weinen. Er erwähnte es gegenüber Dr. Erben nicht, der keine Regung zeigte. Am Kurhaus angekommen, begann wieder die übliche zweistündige Behandlung von Dr. Erben an Manfred. Er sprach die neuen Symptome an und Dr. Erben sagte, er könnte nur etwas gegen die Kopfschmerzen geben. In allen anderen müsste Manfred sich zusammen reissen. Die Dialyse war vermutlich Schuld an Manfreds Heißhunger, da wichtige Mineralien mit ausgewaschen wurden. Manfred hatte sich ein Buch mitgenommen aber während der Dialyse schlief er wieder ein.

Inzwischen gingen Elisabeth und Martin zu Dr. Jakobi. Dieser öffnete ihnen. Sie sahen Helga Steckelbert-Massow, die weinte. Horst ging es schlecht. Beide wollten sich nicht in die Arbeit von Dr. Jakobi einmischen, darum beschloss Elisabeth, noch einmal das Sanatorium von Schierke aufzusuchen. Bei ihrem erneuten Besuch erwies sich das Sanatorium als ein richtiges Gruselsanatorium. Schon nachdem Elisabeth sich offiziell Zugang verschafft hatte, hörte sie einen Patienten entfernt schreien: „Sie kommen in der Nacht!“ Diesmal hatte Elisabeth auch die Gelegenheit mit den Ärzten Dr. med. Haug und Dr. med. Kratzenstein zu sprechen. Sie stellte sich bei ihnen vor und erwähnte Manfred als Patient bei Dr. Erben. Elisabeth wollte ganz offen und ehrlich von den Doktoren erfahren, was sie über Dr. Erben und seinen Behandlungsmethoden wissen und halten. Diese lachten lauthals über ihren Kollegen. Er war, ihrer Meinung nach, ein Hochstapler und seine Methoden waren Humbug. Es entstand ein schwieriges medizinisches Streitgespräch, was die Dialyse und das Serum anging, welches Dr. Erben verwendete. Auf Nachfrage des Dings, welches Ludwig-Kasper Vorwälder entführt hatte, benannten ihre werten Kollegen es ebenfalls als Unsinn. Es war sicherlich ein Bär, der den Unfall verursachte, kein Gespenst.

Manfreds Behandlung war beendet. Er bekam nach der Dialyse erneut das Serum “Gamma-Sinux” gespritzt und ein Beruhigungsmittel gegen seine Kopfschmerzen. Er sagte, er wollte die Toilette benutzen, während Dr. Erben das Behandlungszimmer aufräumte. Manfred schlich schnell in den ersten Stock des Kurhauses. Dort entdeckte er nichts ungewöhnliches. Nur ein großes Speisezimmer, Küche und einen Aufenthaltsraum. Im zweiten Stock war wohl die Wohnung von Dr. Erben. Manfred erkannte ein kleines Büro mit Akten und eine Aufnahmewalze, in das man sprechen konnte, um akustische Nachrichten aufzuzeichnen. Inmitten von Papieren auf Dr. Erbens Schreibtisch, entdeckte Manfred einen handgeschriebenen unvollendeten Brief mit Dr. Erbens Schrift. Manfred las den Brief:


An meine liebe EX

Worte können nicht das beschreiben, was ich in Ihrer Gegenwart empfinde. Man mag es mit dem Sonnenaufgang an einem taubesprühten Morgen im Tal vergleichen, mit dem Lied der Nachtigall oder der Faszination eines perfekten Gedichts aus der Feder eines romantischen Lyrikers. Leider muss ich gestehen, dass ich trotz meiner Bildung und Erfahrung keines dieser Talente besitze. Sie mögen es meinem miserablen Schreibstil ansehen, dass ich mit meinen Händen kein lyrisches Meisterwerk zu erschaffen in der Lage bin. Stattdessen dienen sie dazu, das Leben von Menschen zu retten. Ach, wie sehr könnte ich doch durch Ihre Anwesenheit profitieren? Welch Krönung würde meine Kunst des Heilens erfahren, würden Sie sie mit Ihrer Herzensgüte und Wärme bereichern? Ich brauche Sie an meiner Seite.
Und es verlangt mir nach …

Dr. Erben´s Brief

Ein Liebesbrief an eine EX also. Manfred merkte sich das Nötigste und begab sich sofort wieder in das Erdgeschoss, bevor man ihn beim schnüffeln erwischte. Man hatte Manfred wohl nicht bemerkt und Klammholder fuhr Manfred wieder in das Dorf Schierke. Als er im Dorf auf Martin und Elisabeth traf, berichtete Manfred sofort von dem Liebesbrief. Alle grübelten nach, was „EX“ zu bedeuten hatte, doch die Investigatoren kamen nicht drauf. Elisabeth berichtete von ihrem Besuch beim Sanatorium. Dann gingen sie Essen. Manfred haute mächtig rein, nachdem er sich ein großes Fleischgericht bestellte. Beilagen, Salat und das Gemüse rührte er dabei gar nicht an. Die drei Investigatoren begaben sich auch noch einmal zur „Unfallstelle“. Die umgekippte Kutsche war immer noch an Ort und Stelle und auch die inzwischen tiefgefrorenen und eingeschneiten toten Pferde. Auch die eingestürzte Höhle fanden sie wieder. Sie wussten nicht, was sie noch tun konnten, also begaben sie sich zurück ins Hotel Waldesruh.

Die drei Freunde gingen zeitig schlafen. Manfred konnte nicht richtig einschlafen, so hörte er und auch Martin, dass sich eine Gruppe Männer aus dem Hotel schleichen wollte. Sie schauten nach und erblickten Eugen Karfried und seine drei jungen Begleiter von den seltsamen „Wandervögeln“. Martin weckte Elisabeth und gemeinsam schlichen sie zu dritt in den nahen Wald auf eine Lichtung. Von einer Anhöhe konnten sie die vier Männer beobachten, die nun weisse Kutten trugen. Sie schmierten Blut oder dickflüssige rote Farbe aus Eimern, um daraus einen Kreis zu bilden. Inmitten des Kreises stand ein baumhoher Holzpfahl. Nach einem nordisch wirkenden Gebet oder Ritual hissten sie, an dem Pfahl, eine rot-weisse Flagge mit einem schwarzen Hakenkreuz, die die NSDAP als Symbol genutzte. Dann standen sie am Kreis in allen vier Himmelsrichtungen und hoben ihren rechten Arm hoch zum Gruß und riefen dabei „Heil Hitler!“ Die Wandervögel waren in Wirklichkeit nur Nazis. Alle drei Investigatoren schüttelten den Kopf. So lange die Nazis in Schierke nichts anstellten, waren ihnen die vier Fanatiker egal. Dann gingen die drei Freunde wieder schlafen.

Am nächsten Morgen, Mittwoch, den 18. Januar 1928 trafen sich die drei Investigatoren wieder beim Frühstück. Sie erfuhren von Hildegard Schäfer auf Nachfrage, dass die vier Personen von gestern Nacht, in aller Frühe abgereist waren. Glücklicher Weise waren sie die Nazis los und die drei Investigatoren brachten die Truppe um Eugen Karfried mit den Ereignissen in Schierke, in keiner Weise zusammen. Manfred hatte einen enormen Heißhunger auf Fleisch. Vom Mettbrötchen schaufelte er sich das rohe Fleisch herunter und verlangte nach mehr. Seine Freunde versuchten Manfred zu beruhigen, denn er wurde wütend, als er nicht mehr bekam. Ausserdem klagte Manfred über undefinierbare Stimmen in seinem Kopf. Besonders schlimm war es, als Manfred bei einem Schlachter vorbei ging. Er hätte am liebsten die ganze Auslage der Schitzel weggefressen. Die Behandlung bei Dr. Erben verging sehr schnell. Martin kam mit zu Dr. Erben und schnüffelte im Kohlekeller des Hauses herum, fand aber nicht besonderes heraus. Elisabeth war in Werningerrode bei der hiesigen Zeitung und fand heraus, dass jetzt erst über den Vermissten Meterologen, Ludwig-Kasper Vorwälder berichtet wurde. Im Archiv der Zeitung fand sie eine Meldung über Dr. Erben, der in Berlin wohl verbotene Substanzen und Chemikalien benutzt hatte. Martin und Elisabeth versuchten danach Manfred ruhig zu halten und abzulenken. Helga Steckelbert-Massow erschien wieder im Hotel Waldesruh. Ihr Mann, Horst Massow war in der Nacht verstorben. Sie musste sich jetzt um seine Beerdigung kümmern. Elisabeth und Martin waren entsetzt, ob der Nachricht. Sie hatten keine Ahnung, wie schlecht es um Horst stand. Helga Steckelbert-Massow setzte Horst´s Beerdigung auf den darauffolgenden Tag fest. Ansonsten passierte an diesem Tag nichts ungewöhnliches.

Am Donnerstag, den 19. Januar 1928 war die Beerdigung von Horst Massow, bei der sich Manfred völlig daneben benahm. Er stürmte auf das Buffet des Leichenschmaus und rief die Worte, die in seinem Kopf hämmerten: „Iss es, iss es…“ Martin musste Gewalt anwenden, um Manfred zu beruhigen. In der Küche des Hotels Waldesruh wurde Manfred gewalttätig, als Elisabeth und Martin gemeinsam Manfred beruhigen wollten. Dabei schlug Manfred seinen besten Freund mit einer Klobrille auf dessen Kopf. Zum Glück kam Klammholder und fuhr Manfred zu Dr. Erben. Klammholder brachte Manfred Stunden später wieder zurück zu seinen Freunden. Manfred fiel Martin um den Hals und entschuldigte sich unzählige Male für sein Verhalten. Den Rest des Tages verhielt Manfred sich ruhig. Vom Apotheker in Schierke erfuhr Martin die Liste der Medikamente, die Dr. Erben regelmäßig bestellte, um daraus unter anderem das “Gamma-Sinux”-Serum zu produzieren.

Am Freitag, den 20. Januar 1928 sprach Manfred viel mit sich selbst. Zumeist mit einer anderen Stimme. Thema war oftmal das Fleisch. „Frisch und blutig muss es sein. Am besten noch zappeln.“ waren einige der Sätze, sie seine „andere“ Stimme verwendete. Schaurige Sätze mit einer grässlichen Stimme. Was war aus ihrem einstigen Freund Manfred geworden, den sie mochten und so gut kannten, dachten sich Elisabeth und Martin. Doch sie hielten fest zu ihm. Elisabeth wollte, dass Manfred eine Diät machte und diktierte ihm einen Speiseplan, doch Manfred hörte gar nicht zu. Die drei Investigatoren erfuhren erneut von einem Tumult auf dem Dorfplatz. Bürgermeister Kürschner rief alle Bürger des Dorfes Schierke zusammen. Der Grund war, dass das frische Grab von Horst Massow in der Nacht aufgebrochen war. Der Sargdeckel war ebenfalls aufgebrochen und seine Leiche war angefressen. Sofort machten sich die drei Investigatoren auf zum Friedhof, um sich das genau anzusehen. Der Anblick war schrecklich und kostete den Investigatoren erneut geistige Stabilität. Eine angesetzte Spurensuche ergab nichts besonderes und Elisabeth wollte erneut nach Werningerrode, um dort die Bibliothek aufzusuchen. Martin begleitete Manfred erneut zu Dr. Erben und durchsuchte den gesamten zweiten Stock des Kurhauses, allerdings ohne nennenswerte Ergebnisse. Elisabeth verglich die Liste der Chemikalien von Martin in der Werningeroder Bibliothek und versuchte das Serum „theoretisch“ zu rekonstruieren, was ihr leider nicht gelang.

Ein Geistesblitz verriet den Investigatoren endlich, wer die „EX“ in dem Liebesbrief von Dr. Erben sein könnte. Vermutlich die Lehrerin Erika Kampfen. In Berlin war sie bekannt als „Erika von Xanten“, eine Schauspielerin, wie sie bereit am letzten Sonntag erfahren hatten.

[An dieser Stelle beendeten wir den Spielabend]

Vielen dank an Jörg (Martin) und Sarina (Elisabeth) und unserem Spielleiter Crizz.

Dirk Otto (Manfred) für Ludo Liubice.

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