Das Schwarze Auge (4.1) Spielabend vom 03.03.2020 “Schiffbruch”

Das Schwarze Auge (4.1) Spielabend vom 03.03.2020 “Schiffbruch”

„Toren besuchen im fremden Land die Museen, Weise gehen in die Tavernen.“ Erhart Kästner, deutscher Schriftsteller (1904 – 1974)

Schiffbrüchige

Aus den Tagebücher, Liedern und Texten des thorwalischen Skalden Tjure Fenrirson, chronologisch und nach seiner Priorität geordnet.:

„Manches von dem ich hier berichte, habe ich erst später erfahren.“ T.F.

7. Tag des Heimamonds [Efferd] im Jahr 2648 JL [1021BF]

Unsere Lage schien beinahe aussichtslos. Die Otta [Drachenboot] „Seepferdchen“ hatte Mast, Teil der Ladung und zwei seiner Seeleute im vergangenen Sturm verloren. Zudem lag sie eingekeilt zwischen den Riffen vor der Küste von Nordthorwal. Coran Spichbrecher, der Kaupmadersson [Sohn eines Kaufmanns] war, wie ich, schwer verletzt. Im Ladungsraum war bitterkaltes Wasser eingedrungen. Es stieg und senkte sich mit dem starken Wellengang. Der Galdmader [Magier] Jorgan fand heraus, dass das rettende Land 200 Schritt weit von unserem Wrack entfernt lag. Als die Sonne über dem Land im Rahja [Osten] aufging, kam Nebel auf, der uns schnell einhüllte. Eine Regeneration unserer Lebenskraft kam nicht zustande. Der tapfere Gjaldskaper [Söldner] Finn begab sich in den Laderaum um etwas von unserer Ladung und Ausrüstung zu retten. Während Jorgan ihm leuchtete, entluden Finn und Jenssei den Laderaum. Es waren zwei Fässer mit Trinkwasser und Proviant und zwei Rucksäcke. Den Kampfstab unserer Heilerin Fenja hatte Finn nicht finden können. Dafür ein Beil. Von den Thorwaler Seeleuten waren nur noch der verletzte Kapitän Walkir und Hjelm bei uns. Finn war es, der anschließend auf die Idee kam, lose Gegenstände zusammen zu binden. Mit dem Beil wollten die Helden eine Art Floß bauen, denn der Wellengang war zum schwimmen in Richtung Land, zu hoch. Lange Zeit harrten wir der Dinge aus, unschlüssig, was zu tun war. Dann endlich hörten wir regelmäßige Ruderschläge.

Auf der Snekkar [Schnigge] „Trygdar“ [Treue] befand sich der gefangene Thorwaler Orm Ingridsson. Die Seefahrer der Trygdar hatten den Hof vor sechs Tagen überfallen, auf dem Orm gerade Schafe hütete. Offenbar waren der Mannschaft die Vorräte nach ihrem Siegling [Handelsfahrt] ausgegangen und wollten diese auffüllen. Dazu hatten sie wohl ein Strandhögg [Überraschender Angriff mit sofortigen Rückzug] angewendet, um rasch und billig an Vorräte zu kommen. Ein paar Knechte und auch Orm wurden dabei Gefangene und landeten auf der Trygdar, weil sie sich nicht wehrten. Sie verbrachten überwiegend gefesselt die Fahrt. So fuhr die Trygdar unter ihrem Kapitän und Hetmann Gulbladir Jandlinsson gen Firun [Norden] zu ihrerm Heimathafen nach Neu-Hjaldingard, an der Küste entlang. Den Sturm hatte der Snekkar und ihre Besatzung sicher im Hafen von Virport verbracht. Nun kam Nebel auf, doch die Ruderschläge nahmen nicht ab, bis die Mannschaft Lärm durch Rufe und Schläge auf Holz seitlich vorraus vernahm und ein seltsames einsames Licht.

Wir alle riefen aus Leibeskräften um Hilfe und schlugen mit allem was wir hatten, auf das Holz unseres manövrierunfähigen Bootes, um auf uns aufmerksam zu machen. Jorgan hatte seinen Magierstab entzündet und leuchtete seine Flamme in die Höhe. Die Ruderschläge kamen näher und wir sahen langsam den Umriss eines Schiffes auf uns zukommen. Um nicht an unser Boot oder den Felsen zu stoßen, standen am Bug zwei Thorwaler, die mit langen Ruderstäben gegen den Felsen stießen. Wir riefen, dass wir Schiffbrüchige waren. Darauf wurde uns ein Seil von Orm zugeworfen, der zuvor von der Seefrau Karinna entfesselt wurde. Jenssei sprang ins Wasser und holte das Seilende zu uns an das Wrack. Zuerst sprangen dann Thorgul und Hjelm ins Wasser und hangelten sich am Seil entlang zu dem rettenden Schiff. Nach und nach taten es meine Kameraden ihnen gleich und nahmen auch die Rücksäcke und Waffen mit, sofern es möglich war. Jorgan, der immer noch eine große Meeresangst hatte, wurde von Fenja bezaubert, so dass auch er in das kalte Wasser stieg. Ich hatte nur noch meine Umhängetasche umschlungen und die Waffen an meinen Waffengurt. Da ich selber nichts machen konnte, half mir Finn. Jenssei half Coran zum rettenden Schiff zu gelangen. Wir alle wurden an Bord geholt. Dabei fiel uns allen der merkwürdige schwere nordthorwalische Akzent unserer Retter auf.

Unsere Retter nahmen uns sogleich alle Waffen, Rüstungen und Wertgegenstände ab. Auch Jorgan musste seinen Magieratab abgeben. Jenssei, trug immer noch die Handharfe “Godsögnsvanir” [Legendensänger]. Die Seefahrer beäugten den schwer verletzten Coran und fanden, dass er es nicht wert war, durchgefüttert zu werden. Als sie ihn über Bord werfen wollten, rief ich: „Han er en søn af Kaupmaders!” Doch sie waren nicht an Lösegeld interessiert. So warfen sie Coran in die See. Ich betete zu Swafnir [Gott aller Thorwaler] und bat ihn, Corans unsterbliche Seele in seiner Halla aufzunehmen. Wir bekamen Tücher und Felle, um uns zu trocknen und lernten Orm kennen, der uns von seinem Schicksal, während der Fahrt durch den Nebel, berichtete. Auch wir mussten an die Ruder, wenn es uns besser ging. Am Abend wurde ein Ottashjolm [provisorisches Nachtlager] in einer Bucht gehalten. Wir bekamen zu essen und zu trinken; dennoch wurden wir alle während der Nachtruhe gefesselt. Eine Thorwalerin namend Eiliff kümmerte sich um uns.

8. bis 11. Tag des Heimamonds im Jahr 2648 JL

Die Weiterfahrt mit der Trygdar war sehr unspektakulär. Das leben an Bord unserer Retter erwies sich als Routine. Überwiegend Eiliff kümmerte sich um uns. Ihren Akzent zu verstehen, erwies sich selbst für mich, als sehr schwer. Wir unterhielten uns nicht viel, erzählten aber, dass wir auf der Suche nach der Hetfrau Jandra „Sturmkind“ Havallasdottir waren. Doch diesen Namen kannte keiner an Bord. Am Abend des 4. Tages, nach unserer Rettung wurden wir wieder an Land gebracht, bekamen Speis und Trank und wurden zur Nachtruhe gefesselt. Diesmal versuchten einige von uns, die Fesseln zu lösen. Dabei waren wir leider zu auffällig. Die Wachen bemerkten, dass wir uns unruhig hin und her bewegten. Ich hat so, als lag ich in einer ungünstigen Position und konnte nicht einschlafen. So dachte ich, könnte ich die Wachen von meinen Kameraden ablenken. Jenssei, der es fast geschafft hatte, sich von seinen Fesseln zu befreien, wurde entdeckt. Die Wachen brachten an ihm neue Fesseln an und schlugen ihn. Bei Fenja entdeckten sie ihren Dolch, den sie in ihrem Stiefel so lange schon, versteckt hatte. Sie bekam von den Wachen auch Schläge und ihre Fesseln wurden ebenfalls erneuert.

12. und 13. Tag des Heimamonds im Jahr 2648 JL

Wieder waren wir gezwungen, auf der Trygdar mitzufahren. Dann ging es nicht weiter gen Firun, sondern gen Rahja. Am 6. Tag nach unserer Rettung fuhren wir weit an der Ortschaft „Gjalskermund“ vorbei. Dorthin wollten wir ursprünglich reisen, um unserer Queste zu folgen. Am Abend des 6. Tages, nach unserer Rettung erreichten wir den Heimatort der Trygdar. Der Ort hieß „Gulbladdirstadir“, was auf Garethi wohl „Gulbladdirs Hof“ hieß. Es gab ein „Großes Hallo“, denn 40-50 Leute stürmten an den Stramd, um die Mannschaft der auflaufenden Trygdar zu begrüßen. Am Strand lagen zwei kleine Fischerboote. Auf uns wurde zu allererst nicht geachtet und wir schauten uns um. Der Hof bestand aus einem Langhaus [1] drei Grassodenhäuser [2] und einem Bootsschuppen [3]. Der Steuermann der Trygdar, Tevil, wurde von seiner Ehefrau Katlar Sigridsdottir, der Hersir [Sippenoberhaupt oder Dorfälteste] begrüßt. Uns wurde ein Platz in einem Grassodenhaus zugewiesen. Dort sollten wir uns frisch machen und bekamen von der 17jährigen Knechtin Olgard zu essen und trinken. Sie war es auch, die uns erklärte, dass wir ab nun keine Freie wären, sondern Treller [Gefangene].

Gulbladdirstadir

Ein Fest für die heimkehrenden Seeleute der Trygdar wurde vorbereitet. Dafür opferte die Ottajasko einen Ochsen, der gebraten und verspeist werden sollte. Fässerweise Met [Honigwein] und Bier wurde wurden bereitgestellt und viele weitere Köstlichkeiten wurden zubereitet. Unsere Sachen wurden (ausser der Handharfe Legendensänger) in das Haupthaus gebracht, wobei wir beim entladen des Schiffes mithelfen mussten. Danach machten wir gemeinsam Pläne. Mit Orm hatten wir uns bereits angefreundet, so saßen wir zusammen und überlegten, wie wir von hier entkommen könnten. Eine Option wären die Fischerboote oder gleich die Trygdar zu entführen. Vor allem brauchten wir unsere Ausrüstung oder das, was nach dem Sturm davon übrig geblieben war. Dazu ging Fenja in das Haupthaus. Fenja sah Katlar mit einem Mann mit einem roten Bart sprechen. Die Hesir winkte Fenja heran. Fenja stellte sich als Heilari [Heilerin] vor. Doch der Mann durchschaute Fenjas Halbwahrheit. Wie wir erfuhren, hieß der Mann Olgi Orgensson und war der Godi [spirituelle Mittelpunkt vieler thorwalischer Gemeinschaften] dieser Ottajasko [thorwalische (Schiffs-)Gemeinschaft]. Von diesen Leuten weiss ich zu berichten, dass sie das Schicksal aus Runen, Vogelflug oder Träumen zu deuten vermögen. Ein Godi lebt jedoch meist nicht in der Mitte der Gemeinschaft, sondern abseits für sich, im Einklang mit der Natur. Ob sie zu zaubern vermögen, kann ich nicht berichten.

Meine Kameraden fanden heraus, dass unsere Sachen hinter einer der Fellvorhänge im Haupthaus verstaut waren, die die Räumlichkeiten voneinander trennten. Eine Wache hielt sie davon ab, sich Zugang zu verschaffen. Jenssei übergab mir die Harfe und ich stimmte die Saiten an. Doch es war nur ein grausames Kreischen zu hören. Also packte ich Legendensänger wieder in seine Ziegenledertasche ein. Diese blöde Harfe machte, was sie wollte. Ich war entsprechend wütend. Während der Feier, an der auch wir teilnehmen durften, entschied ich, mitzufeiern. Eine Flucht über Land war zu riskannt, so kannten sich die Leute hier besser aus, als wir. Übrigens unterschieden die Leute hier nach Freie, etwa sieben Knechte und fünf anwesende plus uns acht Treller. So war hier die Hierachie. Wir mussten ein ganzes Jahr als Treller dienen, bevor wir die Möglichkeit hatten, zumindest Knechte zu werden. Meiner bescheidenen Meinung nach, waren wir es, die sich den Geflogenheiten anpassen mussten. Aber vielleicht könnten wir diesen Vorgang beschleunigen, indem wir uns für die Ottajasko unentbehrlich machten.

(An dieser Stelle beendeten wir den Spielabend)

Danke an Rike (Fenja), Claas (Finn), Christian (Jinssei), Henning (Jorgan), Hauke (Orm) und unseren Spielleiter Frerk.

Dirk Otto (Tjure) für Ludo Liubice

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