Das Schwarze Auge (4.1) Spielabend vom 24.03.2020 “Die Wölfe von Neu-Hjaldingard”

Das Schwarze Auge (4.1) Spielabend vom 24.03.2020 “Die Wölfe von Neu-Hjaldingard”

[Bild: woelfe-im-schnee Tierwelt Kjetil Kolbjornsrud – Shutterstock.com]

“…So läuft er wachsam durch die Welt,
Bis ein leiser Ton ihn hält!
Der Ton ist mehr ein Ruf der Eulen,
Nein! In der Fern leises Heulen…“

Dennis Fließbach (aus: Der Wolf, 2010)

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Aus den Tagebücher, Liedern und Texten des thorwalischen Skalden Tjure Fenrirson, chronologisch und nach seiner Priorität geordnet.:

21. Tag des Heimamonds [Efferds] im Jahr 2648 JL [1021BF]

Vier Tage nachdem unser Veidimader [Jäger] Jenssei den erlegten Hirsch nach „Gulbladdirstadir“ [Gulbladdir´s Hof] brachte, wurde er gebeten, den 15jährigen Norri und seinen gleichaltrigen Treller [Gefangenen] Madru auf die Jagd zu begleiten. Inzwischen lag bis zu einem halben Schritt [Meter] Schnee. Entsprechend bewaffnet und ausgerüstet, begaben sich die drei gen Südosten in ein nahes Wäldchen. Unser Galdmader [Magier] Jorgan, die Heilari [Heierin] Fenja und ich wurden zum spinnen von Wolle eingeteilt. Orm, unser thorwaler Gefährte, lag aufgrund seiner schweren Verletzungen, seit ein paar Tagen, mit Fieber krank in seinem Lager. Die thorwalischen Seeleute Walkir und Hjelm wurden auch beschäftigt. Ich glaube, mich zu erinnern, dass sie an der Ausbesserung des Schiffes, der „Trygdar“ [Treue] mithalfen. Unser Gjaldskaper [Söldner] Finn wurde vom 37jährigen Steuermann Tevil, der auch Norris Vater war, angehalten mit ihm und anderen Neu-Hjaldingardern auf Patroullie zu gehen. Finn erfuhr, dass Fehden mit benachbarten Sippen bestanden. Tevil selbst war ein kampferprobter hardgesottener Geselle, während Norri nicht zielgerichtet vorging, wie uns Jenssei später erzählte.

Jenssei erkannte recht früh im lichten Wald einen Wildwechsel, der an Norri völlig vorbei ging. Auch einen angefressenen Trieb eines jungen Baumes erkannte der junge Jäger aus Maraskan sofort. Jenssei behielt es vorerst für sich. Vielleicht wollte Jenssei sich nicht wichtig machen, vor dem jungen Norri? Jennsei´s Bescheidenheit wurde ihm zum Verhängnis, weil Norri darauf wütend auf Jenssei war. Madru dagegen war sehr ruhig und passiv, als sie weiter auf der Pirsch waren. Die Spuren waren gut im tiefen Schnee zu erkennen, so trafen sie bald darauf auf das Tier, was diese Spuren verursachte. Ein Elch von enormer Größe und prächtigen Schaufeln als Geweih. Der erste Schuss mit dem Kurzbogen von Jenssei auf das Tier, mißlang ihm. Der Pfeil flog weit vorbei. Norri wurde wieder wütend auf Jenssei. Doch der Elch wusste nicht, dass er in Gefahr war und bot dem erfahrenen Jäger erneut ein Ziel. Der darauffolgende abgeschossene Pfeil von Jenssei traf das Tier an der Seite. Darauf ergriff der Elch verletzt, die Flucht. Die drei Jäger folgten den Spuren und wieder erst nach einer Weile standen sie dem verletzten Tier genau gegenüber. Jenssei wechselte seinen Kuzbogen mit seinem Speer. Er hätte ihn werfen können oder abwarten. Doch der Elch selbst ging in den Angriff auf Jenssei über. Dem Jäger gelang es auszuweichen und dem Elch seinen Speer anschließend tödlich in die Schulter zu rammen. Der Jäger hatte das Jagdwild erlegt.

Die nächsten Stunden verbrachten die drei Jäger damit, den Elch auseinander zu nehmen und die Fleischteile, die sie nicht selbst transportierten, hoch auf den Ästen der Bäume mit Seilen aufzuhängen. Norri schien plötzlich wie ausgewechselt. Der junge Neu-Hjaldingarder freute sich, über das grandiose Jagderlebnis. Vergessen war seine Wut über Jenssei. Dann brachen sie gemeinsam mit vielen Fleischstüken auf nach „Gulbladdirstadir“. Die restlichen Fleischstücke, auf den Bäumen wollten sich die Jäger am nächsten Tag abholen.

Finns Patroullie mit den Neu-Hjaldingardern wurde zum Abend ergebnislos beendet. Sie hatten einen großen halbkreisförmigen Bogen um „Gulbladdirstadir“ gemacht, jedoch keine Späher oder Anzeichen für ein Lager entdeckt. Tevil erzählte Finn, dass er in der nächsten Zeit einen Angriff auf den Hof vermutete, denn „Gulbladdirstadir“ galt als reich für die Gegend. Auf Finns Frage nach Wölfen, antwortete Tevil: „Wölfe sind immer ein Problem.“ Als sie zurück auf den Hof kamen, erreichten auch die drei Jäger mit ihren Beutestücken den Hof. Es herrschte eine freudige Stimmung und Norri berichtete, wie Jenssei den Elch erlegt hatte.

22. Tag des Heimamonds im Jahr 2648 JL

An diesem Morgen wollten die Jäger die restlichen Fleischstücke des erlegten Elches holen, die sie hoch an Bäumen hängend im lichten Wald gelassen hatten. Das wollte ich mir nicht entgehen lassen und bot an, die Jäger zu begleiten. Auch Fenja und Finn wollten sie begleiten. Wir erhofften uns entsprechend Abwechslung von den Arbeiten im Hof. So kamen auch Tevil und zwei weitere Neu-Hjaldingarder mit. Logir, ein Knecht und der 25jährige Kjaskar, der kleine Bruder von der Hersir [Sippenoberhaupt oder Dorfälteste] Katlar. Orm war immer noch krank und Jorgan blieb lieber beim heimischen Herdfeuer, als in der Kälte, in der Wildnis, herumzulaufen. Mit einen Schlitten für das viele Elchfleisch, brachen wir auf.

Inzwischen kam die Hersir Katlar zu Jorgan. „Was ist mit euren Gefährten?“ fragte sie den Galdmader. Gemeint hatte sie Orm, der immer noch krank in seinem Lager lag. Jorgan wusste, dass die Neu-Hjaldingarder niemanden durchfütterte, der nichts zur Ottajasko [Schiffsgemeinschaft] beitrug. Das Schicksal von Coran Spichbrecher, der Kaupmadersson [Sohn eines Händlers], den die Besatzung der Snekkar [Schnigge] „Trygdar“ ins Meer schmiss, kam ihm möglicher Weise in Erinnerung. Jedenfalls bemühte Jorgan sich, den Tag zu nutzen, um Orm von seinen Verletzungen und seinem Fieber zu heilen. Erfolgreich wandte er die wenigen vorhandenen Heilkräuter und Tinkturen an, die ihn dabei unterstützten. Letztendlich lag es an Peraine [Göttin der Heilung], wie gut die Behandlung bei dem jungen Thorwaler anschlug.

Nach zwei Stunden Wegezeit, noch bevor wir die Stelle erreichten, wo Jenssei den Elch erlegte, hörten wir das Gebell und heulen von Wölfen. Ich konnte mir gut vorstellen, dass die pelzigen Räuber das Fleisch bereits gerochen oder gar gefunden hatten. Als wir dann eine Kuppe erreichten, wo wir dahinter die Wölfe vermuteten, spähten wir allesamt geduckt herunter. Tatsächlich versuchten die Wölfe an das Fleisch heranzu kommen. Doch sie waren, Firun [Gott der Jagd und des Winters] sei dank, keine Kletterer und das Fleisch hing hoch genug, dass die Wölfe nicht an das kostbare Fleisch heran kamen. Wir zählten 14 Wölfe. Den Leitwolf erkannte selbst ich. Ein dunklerer, fast schwarzer Wolf, der größer und kräftiger schien, als die anderen graupelzigen Wölfe. Wir mussten um das Fleich kämpfen. Das war klar. Nur wie?

Wir machten Pläne, wie wir gemeinsam vorgehen sollten. Ich war dafür, dass wir auf jeden Fall zusammen blieben. Doch um Abstimmungen war es nicht bestellt. Einig waren wir nur, dass es zuerst den Leitwolf erwischen musste. Tevil stand auf, zielte mit seinem Kurzbogen auf den dunklen Wolf und schoss. Doch der Pfeil verfehlte ihn. Der Leitwolf vernahm nicht einmal richtig den Fehlschuss. Hörte wohl nur irgendwo ein Geräusch und sah sich um. Dann gab Finn Anweisungen. Wir bildeten ein Kreis. Dann schoss Jenssei auf den Leitwolf und auch unser Veidimader traf das Ziel nicht. Tevil schoss erneut auf den Leitwolf. Endlich traf der Steuermann der „Trygdar“ das Tier. Dann erblickte der leicht verletzte Leitwolf uns auf der Kuppe. Wir standen alle auf. Unser Anblick, neun bewaffnete Menschen auf der Kuppe, muss ihn zu denken gegeben haben, denn er heulte seine pelzigen Brüder und Schwestern an. Die reagierten damit, dass sie dem Leitwolf folgten, als er sich in die Büsche schlug.

Wir sahen unsere Chance, das Fleisch von den Bäumen zu holen. Wir beeilten uns, gemeinsam die Kuppe herunter zu laufen. Wir blieben immer zusammen. Vier von uns sollten das Fleisch herunter holen und auf den mitgebrachten Schlitten legen, die restlichen fünf sicherten das Jagdgut. Dann kam der erwartete Angriff der Wölfe auf uns. Sie kreisten uns ein. Sprangen hin und her und machten es uns schwer, die Wölfe mit unseren Waffen zu treffen. Ich überlegte noch, ob ich eines meiner Wurfäxte gegen die Viecher einsetzte, entschloss mich aber, mein Hjalsmesser [thorwalisches Entermesser] zu ziehen. Inzwischen waren alle von uns mit Nahkampfwaffen ausgerüstet und versuchten, die 14 Wölfe abzuwehren und zu verletzen, damit sie fliehen oder gar zu töten. Fenja, die neben mir stand, machte einen Fehler und fiel vorneweg zu Boden. Sofort stürzten sich drei Wölfe auf die Heilari. Ich nahm all meinen Mut und meine Kraft zusammen und griff mit meiner freien Hand nach ihrem Gürtel. Ich wollte Fenja wieder in unsere Verteidigungsreihe ziehen, sonst wäre sie von den Wölfen weggerissen und zerfleischt wurden. Swafnir [Gott aller Thorwaler] sei dank gelang es mir, nicht nur Fenja mit diesen einen Griff zurück zu ziehen, sondern auch die drei Wölfe, die sich in ihre Winterkleidung reingebissen hatten. Sofort schlug ich und die beiden Kämpfer an unserer Seite auf Fenjas Wölfe ein, so dass diese kurzzeitig von Fenja abließen. Fenja konnte wieder aufstehen und nahm ihren Dolch zur Hand.

Der Kampf sollte noch lange dauern. Jeder gab sein bestes. Doch wurden, bis auf Finn und ich jeder von den anderen Kämpfern wenigstens zweimal von den pelzigen Räubern verletzt. Finn war unser bester Kämpfer und ein besonderer Treffer von ihm, mit seinem Speer, gegen einen Wolf, war besonders erfolgreich. Ein kleiner Fehler meinerseits, ließ mich in dem Schnee stolpern, doch den Runjas [Schicksalsgeister] sei dank; ich fiel nicht. Gleich danach fiel ein Wolf meinem Hjalsmesser zum Opfer. Zum Ende stieß Kjaskar seinen Speer in den Leib des Leitwolfs. Der Anführer der Wolfsbande verstarb. Keiner der Wölfe war entkommen. Wir gewannen den Kampf. Doch Jinssei und Norri waren bewusstlos zusammen gebrochen. Sofort machten wir uns daran, unsere Verletzten zu heilen. Fenja, selbst schwer verletzt, versuchte ihr bestes. Finn und ich unterstützten unsere Heilari dabei. Ich versuchte Logir zu heilen, was mir leider nicht gelang. Finn versuchte sich an Tevil; die Heilkünste des Gjaldskaper waren erfolgreich.

Danach bemühten wir uns, das Fleisch auf den Bäumen auf den Schlitten zu laden. Tevil wollte, dass auch die erschlagenen Wölfe gehäutet wurden. Die Felle waren im kommenden Winter besonders kostbar. Und auch das viele Fleisch der Wölfe, musste verwendet werden. Es war zwar zäher und nicht so schmackhaft, wie Elchfleisch, doch im Winter würden wir es sicher zu schätzen wissen. So luden wir so viel wie möglich von dem erbeuteten Gütern auf den Schlitten. Es mochten gute 400 Stein Fleisch sein und reichlich Felle. Einige von uns mussten zumindest gestützt werden und der Rückweg nach „Gulbladdirstadir“ würde deutlich länger dauern, als der Weg hierher. So trug Tevil seinen Sohn, Norri und ich half mit, das Fleisch zu tragen.

(An dieser Stelle beendeten wir den Spielabend)

[Wir bekamen jeder eine spezielle Erfahrung auf unsere Waffe + Heilkunde Wunden + 200 Erfahrungspunkte]

Danke an Rike (Fenja), Claas (Finn), Christian (Jinssei), Henning (Jorgan) und unseren Spielleiter Frerk.

Dirk Otto (Tjure) für Ludo Liubice

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