Das Schwarze Auge (4.1) Spielabend vom 28.04.2020 “Einen Wunsch frei”

Das Schwarze Auge (4.1) Spielabend vom 28.04.2020 “Einen Wunsch frei”


Bild: Wikipedia


Reisen ist, in jedem Augenblick geboren werden und sterben.“ ~ Victor Hugo


3. und 4. Tag des Schlachtmonds [Travia] im Jahr 2648 JL [1021 BF]

Die Hofgemeinschaft verabschiedete uns kurz. Dem Godi Olgi war es unangenehm und recht, dass wir und Madru „Gulbladdirstadir“ [Gulbladdirs Hof] verließen. Das verhehlte er auch nicht. Wir versuchten Madru nicht in die Augen zu schauen oder in sein Blickfeld zu geraten. So reisten wir, bewaffnet, gerüstet, mit warmer Kleidung ausgestattet und für fünf Tage verpflegt ab. Die Thorwaler von der „Seepferdchen“, Walkir und Hjelm, blieben im Ort. Wir gingen im tiefen Schnee mit Schneeschuhen ungefähr gen Südosten; Madru voran. Es war ein sehr beschwerlicher Weg. Da wir im Gänsemarsch gingen, war es für jeden weiteren leichter, voranzuschreiten, als derjenige, der vor ihm ging. Nach ein paar Stunden löste Finn Madru ab, als wir bemerkten, dass der junge Mann immer langsamer ging. Wir hatten nur wenige Meilen geschafft, als wir uns einer Wegmarke näherten. Es war eine Eiche, deren Umfang sicher vier Schritt maß und eine Höhe von mindestens 20 Fuß hatte, an der wir uns während der Mittagszeit ausruhten und eine Kleinigkeit vom Proviant zu uns nahmen. Die Eiche trug noch wenige Blätter. Ein Feuer wurde nicht entzündet. Dann marschieten wir weiter. Madru zeigte uns eine Felsformation, auf die wir zugingen. Diesmal ging ich voran. Nach zwei Stunden löste mich Jenssei ab.

An einer recht hohen Schneewehe richteten wir dann ein Lagerplatz für die Nacht ein. Wir durften an diesem Tag höchstens zehn Meilen Reisestrecke geschafft haben, eher aber weniger. Die Schneewehe bot einen guten Schlafplatz, wenn man sie weiter aushöhlte. Einige von uns machten sich daran, während ich unter dem Schnee, mühsam nach Steinen für eine Kochstelle suchte. Jorgan und Fenja machten sich in einem nahen lichten Waldstück auf die Suche nach Totholz in 100 Schritt Entfernung. An einer Eiche hing ein totes sehr großes Aststück. Das war wohl von einen vorherigen Sturm abgebrochen. Es lag übermannshoch auf stärkeren Ästen. Jorgan versuchte mit seinem mannshohen Zauberstab das Totholz von der Eiche zu schlagen. Er kam an das Totholz über den Stab heran. Doch er stellte sich leider sehr ungeschickt an. Das riesige und schwere Totholz rauschte herunter und traf ihn genau auf seinen Kopf. Die Verletzung war enorm. Fenja, unsere Heilari [Heilerin] benutzte den Zauber HEXENSPEICHEL, um Jorgans Kopfwunde zu heilen. Auf Fenja und seinen Zauberstab gestützt, kehrte der Galdmader [Magier] wieder zu uns zurück.

Orm hatte in der Zwischenzeit einen halben Schneeiglu aus der Schneewehe geformt. Sie legten Jorgan auf eine Decke in dem Iglu. Orm machte sich danach auf den Weg, den Ast zu uns in das Lager zu holen. Das war beschwerlich aber der Thorwaler schaffte auch das. Mit Hilfe unserer Beile gelang es, aus dem gefährlichen Geschoss, genug Feuerholz zu machen. Die Feuerstelle wurde entzündet und ich machte heißes Wasser für den Tee, den Jorgen bekommen sollte und anschließend eine Suppe aus dem Gemüse, was wir mitbekommen hatten. Nach dem Abendessen wurde die Nachtwache eingeteilt. Jinssei, ich, Finn und Orm einigten uns auf die Reihenfolge. Während Jinssei´s Wache bemerkte der erfahrene Veidimader [Jäger], dass sich ein Schnee- oder Polarfuchs dem Lager genähert hatte. Seine gelben Augen leuchteten unheimlich in der Nacht. Jinssei fühlte sich unwohl und vertrieb den Fuchs mit einer provisorischen Fackel und mehreren „Kusch!“. Nach seiner Wache weckte Jinssei mich und erzählte mir von dem Fuchs. Doch ich erblickte das Raubtier in der Nacht nicht. Nach zwei Stunden weckte ich versehentlich Orm, statt Finn. Orm war sauer, doch ich konnte ihn überreden, Wache zu halten und zum Schluss Finn zu wecken. Auch ich berichtete dem Thorwaler von dem Fuchs, den Jinssei gesehen hatte und legte mich schlafen. Orm versuchte sich daran, eine zweite Feuerstelle zu machen, doch es gelang ihm nicht. Nach seiner Wache, weckte Orm den Gjaldskaper [Söldner] Finn, der überrascht die letzte Wache bis zum Morgengrauen übernahm. Weiter passierte nichts.

5. Tag des Schlachtmonds im Jahr 2648 JL

Nach einem Frühstück brachen wir erneut auf. Madru hatte uns eine Gebirgsformation gezeigt, auf die wir zugehen sollten. Dort befand sich das „Blodsdal“. Wir wunderten uns, dass es weder auf der Reise oder in der Nacht einen Angriff auf Madru gab. War das eine gute Nachricht? Der Schneefuchs tauchte wieder auf. Jeder von uns hatte die Gelegenheit, ihn während unserer beschwerlichen Reise zu sehen. Das Tier hielt sich auf Distanz. Tatsächlich hatte der weissbefellte Fuchs gelbe Augen. War das der Angreifer, der sich nur verzaubert hatte? Orm und Jenssei wollten das Tier im Kampf stellen. Jenssei schoss mit seinem Kurzbogen einen Pfeil auf den Fuchs und traf ihn. Beide gingen auf das erlegte Tier zu. Auch Jorgan. Dem Galdmader ging es nach dem Schlag auf den Kopf gestern schon viel besser. Er zauberte einen ODEM ARCANUM, um herauszufinden, ob Magie in dem toten Tier steckte. Jorgan erzählte den beiden, dass das Fell des Tieres abgezogen werden musste. Jeder musste eine Pfote des Tieres tragen, bis der Knochen sich heraus löste. Jorgan schlug mit seiner Axt zwei Pfoten des toten Tieres ab und reichte sie jeweils Orm und Jenssei. Den restlichen Kadaver nahmen wir mit.

Die Reise ging weiter. Bis zur Mittagszeit erreichten wir ein Gestrüpp, hinter dem wir Schutz vor dem starken Nordwind fanden. Da wir es versäumt hatten, von dem großen Totholz etwas Feuerholz mitzunehmen, mussten wir hier nach Brennholz suchen. Das wollten wir in Bündeln mitnehmen, damit wir am Abend ein Feuer machten konnten. Finn und Orm krabbelten durch die Büsche, um Totholz aufzusammeln. Dabei verletzte sich Finn durch den Schlag von einer Rute, mitten in sein Gesicht. Hatte er die Rute unachtsam ausgelöst? Oder war es Orm? Auch Orm verletzte sich leicht, beim Totholz sammeln. Einmal versuchte Finn einer plötzlich heranschnellenden Rute auszuweichen. Doch er war nicht schnell genug. Erneut wurde Finn leicht verletzt. Verärgert zog Finn sein Breitschwert und es gelang ihm, einen Ast abzuschlagen. Auch Orm wurde darauf von einen Ast angegriffen, doch es gelang ihm, den heftigen Schlag auszuweichen. Als jeder von ihnen mit einem Bündel Totholz auf den Armen aus dem Gestrüpp heraustrat, konnte ich mir, mit Blick auch auf Jorgan, den Spruch nicht verkneifen: “Feuerholz sammeln ist in diesem Land ja lebensgefährlich.”

Die Reise durch das verschneite Neu-Hjaldingard ging weiter. Zum Abend näherten wir uns einen seltsamen Schauspiel. Auf 500 Schritt Entfernung sahen wir eine breite dampfende Wasserfontäne aus dem Boden 20 Schritt in die Höhe schießen. Verbunden mit einen ohrenbetäubenden Knall erschraken wir allesamt. Doch das Wasser fiel nicht herunter. In der kalten Luft wurde es mit dem Dampf zu Schnee, der langsam herunterrieselte. Ein Firunswunder, dachte ich. Madru sagte uns, dass sein Volk so etwas einen Geysir nennt. Durch die Fahne, die der herunterfallende Schnee gebildet hatte, konnten wir erkennen, dass immer noch Nordwind herrschte. Wir näherten uns dem Geysir. Wir erkannten dass um den Geysir herum kein Eis oder Schnee lag. Zahlreiche Pfützen warmen Wassers lagen um den Geysir herum. Eines war besonders tief, so dass es als Becken oder größere Wanne dienen könnte. Auf der Oberfläche wollten wir uns nördlich der Fontäne ein Lager aufschlagen. Wenn der Wind nicht drehte, waren wir von einer erneuten Fontäne geschützt. Madru erklärte uns, dass das Wasser in dem Becken sehr warm sei, dass man darin baden konnte. So entkleidete er sich und stieg in das Becken, um sich zu waschen und zu baden.

Während ich aus dem Fuchsfleisch und unseren Vorräten eine Art Ragout machte, gingen meine Kameraden allesamt, bis auf Jorgan, baden. Erst als das Essen fertig war, kamen sie aus dem Wasser, trockneten sich ab und kleideten sich wieder an. Danach gingen auch Jorgan und ich in das warme Wasser. So gut habe ich mich lange Zeit nicht mehr gefühlt. Nach dem Baden rasierte ich mich und zog mich wieder an. Das Ragout schien meinen Kameraden geschmeckt zu haben, trotz des Fuchses, der ein wenig zäh schmeckte. Jorgan fragte Madru nach Tieren in der Gegend. Es wurde dunkel und wir richteten unsere Wachen ein. Erst Madru, dann ich, Finn und Orm. Während der ersten drei Wachen passierte nichts aufregendes. Als Orm dran war, hatte der junge Thorwaler das Bedürfnis, noch einmal zu baden. Also zog er sich aus und stieg wieder in das warme Becken. Er entspannte sich völlig, versuchte aber nicht einzuschlafen, als Orm bemerkte, dass er nicht mehr alleine im Becken war.

Neben Orm saß im Becken eine wunderschöne Frau, die Orm noch nie zuvor gesehen hatte. “Du gefällst mir.” begann sie mit Orm zu sprechen. Sie erählten leise voneinander und näherten sich. Sie fragte Orm nach seinen Namen und er nannte ihn ihr. Sie nannte ebenfalls ihren Namen. Dieser erreichte zwar Orms Ohren, doch im gleichen Augenblick vergaß der Thorwaler den Namen schon wieder. Er hatte nur noch Augen für ihre Schönheit. Sanft saß sie sich auf seinen Schoß und beide kuschelten miteinander. “Bist du eine Fee?” fragte Orm sie. “Ich bin eine Nymphe.” antwortete sie ihm. Dann kuppelierten sie miteinander eine lange Zeit. Nachdem sie beide ihre Lüste befriedigt hatten, sagte die Nymphe zu Orm: „Du hast einen Wunsch frei.“, „Jetzt?“ fragte Orm nach. Sie nickte und der Thorwaler überlegte. Dann sagte er: „Ich wünsche mir ein Bankett mit Met, Fleisch, Gemüse, Gaukler und Sänger. Und du müsstest auch dabei sein.“ Die Nymphe antwortete: „Ich werde sehen, was ich machen kann.“ Dann tauchte sie ins Wasser und verschwand. Bis auf einen kleinen Muskelkater in der Lendengegend fühlte sich Orm sehr gut. War das nur ein Traum?

6. Tag des Schlachtmonds im Jahr 2648 JL

Als der Morgen zu dämmern begann, sah Orm, dass zwischen Lager und Geysir ein Baumstamm lag. In der Mitte aufgeschnitten bot er einen zauberhaften Anblick. Die Fläche war gedeckt mit einem kleinen Holzfass (ohne Eisenringe) mit Met, Tellern aus Birkenholz, große Blüten, die als Kelche dienten und allerlei Nahrung. Es gab feinste Speisen, Brot, Käse, Wurst und Schinken. Orm weckte uns und zeigte auf das Bankett. Wir waren erstaunt und zuerst sprachlos. Wir fragten ihn, wie und woher das alles kam. Er erzählte uns von der Nymphe im Becken und dem Wunsch, der wohl in Erfüllung gegangen war. Wir kosteten vom Met und der Nahrung und es schmeckte uns allen vorzüglich. Wir frühstückten gemeinsam vom Bankett. Nur Jorgan nahm nichts vom Met. Der muss ihm merkwürdig vorgekommen sein. Was wir nicht aßen, packten wir als Proviant für unterwegs ein. Jorgan oder Fenja waren es, der oder die Orm nach dem Namen der Nymphe fragte, doch er konnte sich wirklich nicht mehr genau an den Namen erinnern. So sollte dieses Geheimnis heute nicht mehr gelüftet werden. Es war Jorgan oder Fenja, die ihm erzählten, dass man Macht über diese Wesen hatten, wenn man ihren Namen kannte. Nach dem Frühstück brachen wir das Lager ab und wollten weiterreisen. Kurz bevor wir aufbrachen blickte Orm Ingridsson wehmütig in das Becken und verabschiedete sich.

(An dieser Stelle beendeten wir den Spielabend)

[Wir bekamen jeder 50 Abenteuerpunkte zur freien Verfügung, bis auf Orm, der bekam 100 AP. Ausserdem bekam jeder, der vom Met getrunken hatte, 2 permanente Lebenspunkte hinzu. Ausserdem erhielt Orm durch sein Erlebnis mit der Nymphe einen höheren Ruf (SO+1) in den nordischen Kulturen]

Danke an Rike (Fenja), Claas (Finn), Christian (Jinssei), Henning (Jorgan), Hauke (Orm) und unseren Spielleiter Frerk.

Dirk Otto (Tjure) für Ludo Liubice

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