Das Schwarze Auge (4.1) Spielabend vom 12.05.2020 “Der Wächter”

Das Schwarze Auge (4.1) Spielabend vom 12.05.2020 “Der Wächter”

Lasst nicht zu, dass er das Land verschlingt. Werft ihn dorthin zurück, woher er gekommen ist.” Luzelin Silberhaar aus dem Blautann letzte Worte (etwa: RON 1017 BF “Rückkehr der Finsternis: Unsterbliche Gier”)

[Bild: Armalion-Zinnfiguren: Orks]


Aus den Tagebücher, Liedern und Texten des thorwalischen Skalden Tjure Fenrirson, chronologisch und nach seiner Priorität geordnet.:

„Manches von dem ich hier berichte, habe ich erst später erfahren:“ T.F.

8.Tag des Schlachtmonds [Travia] im Jahr 2648 JL [1021 BF]

Die Handharfe “Godsögnsvanir” [Legendensänger] erklang. Das Eis, unter dem die daimonische Kreatur Harder Walkirsson gefangen war, zeigte die ersten kleinen Risse. Jorgan, unser Galdmader [Magier] befahl mich mit der Harfe und Madru, dem Durro-Dûn [gjalskerländischer Tierkrieger] nach draussen. Wir zwei flüchteten durch die schmale Spalte ins Freie und rannten wieder auf die Kuppe zurück, wo wir eine gute Stunde zuvor, das Tal und die Spitze des riesigen Hügelgrabes erblickt hatten. Dort hatten wir auch einen Teil unserer Ausrüstung zurück gelassen. Erst als wir die Stelle erreichten, blickten wir zurück zum Grab. Den Eingang konnten wir von hier aus nicht erblickten. Es tat sich nichts. Ich sandte ein Stoßgebet zu Swafnir [Gott aller Thorwaler], er möge meine Kameraden im Inneren des Hügelgrabes vor Unglück bewahren.

Meine Kameraden erblickten durch das Eis Harder Walkirsson. Oder das was sein Pakt mit H´Rangarr [dämonischer Gegenspieler von Swafnir] menschliches von ihn übrig gelassen hatte. In seinem Bauch steckte ein Schwert. Es schien ihm nicht zu stören. Er klopfte von unten gegen die sechseckige Eisplatte mit der alten gekritzelten Swafnir-Rune. Aber die Eisplatte gab nicht nach. Die Risse, die wohl durch den Klang von Legendensänger erschienen waren, wurden nicht größer. Harder war immer noch “…Gefangen in einem Kerker aus Eis und Zorn…”(!?!). Nur wenige Herzschläge, nachdem Madru und ich das Hügelgrab verlassen hatten, dröhnte eine dumpfe Stimme aus dem Ausgang. Die Stimme warnte meine Kameraden, das Böse zu befreien.

Jinssei, unser Veidimader (Jäger) ging nachsehen und stieß auf einen dunkelgrauen Fellvorhang, vor dem schmalen Eingang. Plötzlich wurde er an den Schultern nach oben gepackt und herausgezogen. Er landete im Freien und erblickte einen vier Schritt [Meter] und einen Spann [20cm] großen Thorwaler, der mit Fellen bekleidet waren. Eine mannshohe doppelschneidige Axt lehnte an einen der Felsen. Weitere meiner Kameraden kamen zu dem Ausgang. Im thorwalischen Dialekt sprach der riesige Thorwaler sehr langsam: „Wie viele von euch Kleinen sind denn da drin?“

Meine Kameraden waren erstaunt. Sie erblickten allesamt einen großen haarigen Schneetroll, der laut Jorgans Menschenkenntnis offenbar freundlich gesinnt war und längere Zeit schon kein Bad genommen hatte. „Gulimbar bin ich.“ stellte er sich vor. Er war der Wächter dieser Grabanlage. Auf Nachfrage erzählte er, dass er Madru und mich nicht gesehen hatte. Er hatte die Grabanlage mit seinen Brüdern, der Galumpar-Sippe, gebaut, die alle längst gefressen oder verstorben waren. Orm fragte nach dem Drachen. Doch Gulimbar machte sich einen Spaß mit dem erschreckten Thorwaler. Da drin sind alle Menschen tot, nur der böse Harder nicht. Aber der wurde von Fenlorien unter dem Eis gebannt. „Das Böse unter dem Eis muss unter dem Eis bleiben.“ sagte er.

Auf die Frage, wer Fenlorien war, erzählte der Schneetroll von einem mystischen Wesen. „Fast 400 Winter hat sie immer geholfen.“ sagte er. Dabei kullterte Gulimbar eine Träne aus seinen Augen. Er sagte, Fenlorien kam aus dem Norden, von einer Insel im Eis. Meinte der Schneetroll „Fennlorin Gansmidr“, der oder die im Hügelgrab lag? Fenja erwähnte Jandra „Sturmkind“ und dass wir auf der Suche nach ihr oder ihrem Grab waren. Gulimbar erzählte, dass noch niemand bisher nach Jandra gesucht hatte. Die Hetfrau [Kapitänin] Jandra war vor 35 Winter hier gewesen. Fenja erzählte Gulimbar von Jandras Skoggang [lebenslängliche Verbannung] durch Walkirs Lüge beim Hjalding [Versammlung stimmberechtigter Thorwaler]. Gulimbar sagte, dass Walkir ein Frevler war.

Als Orm erwähnte, dass Swafnir stärker war, kam es dabei zu einenm Streitgespräch zwischen den beiden, der damit endete, dass Orm den Schneetroll zu einem Hjolmgang [ehrenhafter Zweikampf] forderte. Dabei schlug Gulimbar den Thorwaler so hart, dass dieser durch die Luft flog und verletzt im Modder landete. Jorgan erzählte Gulimbar, dass durch die Harfe Legendensänger der Schutz durch das Eis im Hügelgrab beschädigt wurde. Gulimbar war böse erregt: „Was habt ihr getan?“ fragte er. Jorgan erzählte von mir und der Harfe und dass es seit meiner Flucht keine weiteren Beschädigungen gab. Der Galdmader fragte auch, nach welcher Waffe Jandra gesucht hatte. Aber Gulimbar wusste nichts darüber zu berichten. Fenja fragte nach „Lhargûn“, Madrus Lehrer und die Sippe „Yakkach“. Auch darüber wusste Gulimbar nichts. Zuletzt sagte er nur; als Jandra hier gekämpft hatte, gelang es ihr nicht, den Weltenverzehrer zu töten. Dabei hatte sie wacker gefochten. „Tief drang die Klinge, bis ins Herz der Erde… Der Eisbann soll halten, bis Jandra mit der richtigen Klinge wiederkommt…“

Gulimbar erzählte, dass seine Sippe vor vielen Wintern dieses Grab gebaut hatte. Jandra traf auf die Galumpar und Fenlorien, als die Hetfrau mit sieben getreuen Rekkern [Kämpfer] auf der Suche nach der Waffe war, die Walkir vernichten könnte; dem Weltenverzehrer. Der Schneetroll erwähnte Jandra und das kleine Wölfchen und ihre Getreuen. Jandra bat die Trolle am Grab ihrer gefallenen Gefährten zu wachen. Garda Jorgansdottir war bei ihr. Gulimbar erzählte Orm, dass Jandra von Swafnir auserwählt war. Meine Kameraden versprachen Gulimbar, Jandra und die Waffe herzubringen.

Bevor es dunkel wurde, kam Jorgen zu Madru und mir. Er berichtete kurz, was im Grab geschehen war und gemeinsam brachten wir unsere Ausrüstung in das Tal. Ich sah zum ersten mal einen Schneetroll und war erstaunt und gleichzeitig bewunderte ich ihn. Von Trollen wusste ich leider nichts. Wenn sie in Sagas oder Liedern, die mir bekannt waren, erwähnt wurden, dann nur, dass es sie gibt. Ich stellte Madru und mich dem schratigen Riesen vor. Dann sammelte ich alle Informationen zusammen, damit sie ein Bild ergaben und trug sie nach und nach in mein zweites Buch mit den Notizen und Zeichnungen zusammen. Gulimbar erzählte noch eine Geschichte über die Waffe mit der Macht der Götter. Vielleicht würde „Lhargûn“ etwas darüber wissen, wenn wir Madru bei seinem Meister abliefern. Wir schlugen ein Lager auf und Fenja kochte aus dem Proviant ein leckeres Mahl, dass besoders Gulimbar schmeckte. Madru erzählte, dass es bis zu seiner Sippe noch sieben oder acht Tage dauern würde. Finn brannte immer noch sein Rücken von Fenjas Fehlzauber. Gulimbar hielt die ganze Nacht Wache, während wir alle schliefen.

9.Tag des Schlachtmonds im Jahr 2648 JL

Im Tal war es nicht kalt. Das Frühstück fiel karg aus, weil Gulimbar während seiner Wache von Fenjas Eintopfresten genascht hatte. Wir hatten nun nur noch Proviant für ungefähr zwei Tage. Orm erzählte Gulimbar von der Nymphe und der Schneetroll schien sehr beeindruckt von Orms Geschichte, den er von nun an „Trollboxer“ nannte. Der Schneetroll teilte seinen Met mit dem Thorwaler. Madru erklärte uns, dass wir von hier aus nur noch gen Praios [nach Süden] laufen müssten. Gulimbar blieb zurück, als wir aufbrachen. Es war eine ereignisarme Tagesreise. Wir schafften 15 Meilen gen Praios. Wir durchschritten kahle Öden und hatten keine erkennbare Wege. Am Abend machten wir an einer windgeschützten Stelle Rast und richteten ein Lager ein.

Als wir gemeinsam unser Abendmahl einnahmen, sahen wir eine seltsame Aktion von Madru. Beinahe beiläufig weiteten sich seine Augen unnatürlich groß und langsam drehte der Durro-Dûn seinen Kopf in eine Richtung unnatürlich weit. Mit aufgerissenen Mund starrte ich Madru an, während sein Kopf sich langsam einmal im Kreis drehte. Ein plötzlicher niederhöllischer Schmerz traf Finn und mich. Als ob ein Raubtier seine Pranke über mein Leib zog. Bei Madru trat Schweiss hervor und er begann zu zittern. Ich glaube Jorgan war es, der Madru von uns weg führte. Jenssei kümmerte sich um Finns Verletzungen und Fenja versuchte mich zu heilen. Nach einer Weile war Schmerz und Panik verflogen. Orm bot uns seinen Met an, den er von Gulimbar bekommen hatte. Ich nahm einen Schluck davon. Fenja sprach zu Madru, weil er seinen Kopf,wie eine Eule verdreht hatte. Madru erklärte uns erneut, dass er als Durro-Dûn dem Pfad der Schnee-Eule folgte. Dieses Mal war das erste Mal, dass er das Gefühl hatte, dass etwas aus dem Hinterhalt drohte. Es wurde Schnee zu Wasser geschmolzen, um daraus heissen Tee zu brühen. Jorgan, Jinssei, Orm und Finn schoben diese Nacht nacheinander Wache. Die Nacht war ereignislos.

10.Tag des Schlachtmonds im Jahr 2648 JL

Es gab ein karges Frühstück. Finns Vergiftung am Rücken klang deutlich ab. Dann reisten wir weiter gen Praios. Zuerst ging Madru voran. Dann löste Jinssei Madru ab. In 50 Schritt Entfernung sah der Veidimader eine kleine Gruppe Schneehasen. Wir baten Jinssei ein paar von den Hasen für uns zu schießen, denn wir hatten nur noch Proviant für einen Tag. Doch schon beim heranschleichen, um keinen Fehlschuss zu riskieren, flohen die Schneehasen in alle Richtungen. Bis zum Abend sahen wir kein weiteres Wild. Wir reisten bis zur Dämmerung und rasteten wieder windgeschützt. Das Feuerholz reichte nur noch für heute und morgen. Wir verbrauchten den Rest an Vorräten, die wir bei uns trugen. Wir richteten Wachen ein. Erst Jinssei, dann Finn, Madru und Orm. Während Jinsseis Wache passierte nichts. Er weckte Finn, der die Wache übernahm.

Kurz bevor Jinssei einschlief, schlug sein Gefahreninstinkt an. Er griff nach seiner Waffe; keinen Herzschlag zu spät. Denn Finn rief plätzlich „ALARM!“. Fünf schwarzpelzige Orks gelang es, an unser Lager heranzuschleichen. Als Finn´s Alarmruf ertönte, waren sie bereits in das Lager gesprungen und wollten uns erschlagen. Ihr offensichtliches Ziel waren Madru und Finn, der instinktiv nach seinem Schild griff. Mit seinem Schild konnte Finn die Attacke von seinem Ork-Gegner parieren. Ich griff nach mein Wurfbeil, als ich erwachte. Madru selbst hatte drei Gegner, gegen die er sich erwehren versuchte. Fenja griff nach ihrer Axt. Finn kämpfte verbissen mit seinem Speer. Jinssei griff nach seinem Dolch. Ich wollte Madru von einem seiner drei Gegner erlösen und warf mein Wurfbeil auf den Anführer mit dem Gruufhai [orkische Zweihand-Nahkampfwaffe, ähnlich einem Kriegshammer mit Dornen]. Vielleicht lag es an der Dunkelheit oder dass ich nicht genau gezielt hatte. Denn mein Wurfbeil traf den armen Madru in den Rücken und verletzte ihn.

Ich sah, dass auch Orm kämpfte und Jorgan entzündete seine FLAMME am Ende seines mannslangen Zauberstabes. Die Orks waren beeindruckt; aber nicht genug, denn sie kämpften weiter. Finn gelang eine Finte mit seinem Speer. Sein Gegner wurde verletzt. Jinssei sah, dass Madru die Augen verdrehte, rief „ANFALL!“ und warf sich in den Schnee. Wir drehten uns von Madru weg. Wen von uns noch dieser feige magische Angriff getroffen hatte, weiss ich leider nicht genau zu berichten. Aber mit mir wurde fast jeder der orkischen Angreifer davon getroffen. Alle hatten sie erhebliche Verletzungen. Recht so, bei Swafnir. Ich wollte dem Anführer mit dem Gruufhai mit meinem Hjalmsmesser [thorwalisches Entermesser] entgegen treten. Doch noch ehe ich es ziehen konnte, traf mich die Wucht seiner Kriegswaffe erheblich. Ich stürzte zu Boden und war kampfunfähig. Die Schmerzen waren enorm, dass ich mich nicht mehr erwehren konnte, wenn mich in diesem Zustand jemand angreifen sollte. Ich nahm wahr, dass Jorgan stolperte, Fenja wurde verletzt, Jorgan rollte sich aus dem Weg. Dank Orm, Finn und Jenssei gelang uns gerade noch ein Sieg über die verfluchten Orkbestien. Alle Angreifer konnten getötet werden. Nach dem Kampf heilte sich Jorgan magisch. Fenja versorgte mich und anschließend Madru, der an der Schwelle des Todes war. Jenssei versorgte Finn und Orm.

(An dieser Stelle beendeten wir den Spielabend)

[Wir bekamen jeder 150 Abenteuerpunkte, eine spezielle Erfahrung auf unsere Waffe und auf „Sagen & Legenden“]

Danke an Rike (Fenja), Claas (Finn), Christian (Jinssei), Henning (Jorgan), Hauke (Orm) und unseren Spielleiter Frerk.

Dirk Otto (Tjure) für Ludo Liubice

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