Das Schwarze Auge (4.1) Online-Spielabende vom 08.09.2020 + 06.10.2020 und dem dazwischen liegenden Briefspiel “Der Sternenturm, Teil 1”

Das Schwarze Auge (4.1) Online-Spielabende vom 08.09.2020 + 06.10.2020 und dem dazwischen liegenden Briefspiel “Der Sternenturm, Teil 1”

„Ein Gelehrter mag zwar große Gelehrsamkeit besitzen; aber das Wichtigste ist, wie er sich verhält.“ Mengzi (um 370 – 290 v. Chr.)


[Bild: Paul Eschbach]

Es ist zu erwähnen, dass sich unser Spielleiter der vergangenen (fast) 30 Spielabenden leider in dem Zeitraum unserer laufenden Spielkampagne geirrt hatte. So verwechselte unser SL das Jahr 1021BF (nach Bosparans Fall) mit dem Jahr 21Hal, welches dem Jahr 2641JL (nach Jurgas Landung) oder 1014BF entsprach. Das bedeutet, dass noch spannende historische Ereignisse für unsere Heldengruppe bevorstehen.

Aus dem Reisetagebuch des thorwalischen Skalden Tjure Fenrirson:

29. Tag  des Frostmonds [Hesinde] im Jahr 2641JL [1014BF/21Hal]

Seit unserer Ankunft in Olport vor zwei Monden, durfte ich in der Bibliothek der Runajasko [olporter Magierakademie] nach Sagas forschen, die uns dienlich sein sollten, den Skoggang [lebenslange Verbannung] der Hetfrau Jandra „Sturmkind“, durch ein erneutes Hjalding [Versammlung, stimmberechtigter Thorwaler], rückgängig zu machen. Dabei stieß ich auf wenige aber konkrete Erfolge, die ich mir allesamt abschrieb. Nun durfte ich zwar in der Runajasko forschen, jedoch nicht dort nächtigen. Meine Bemühungen, bei Askir Vandradsson, dem Leiter der Skaldenhalla, in der Runajasko einer monetären Tätigkeit nachzugehen, schlug leider fehl. So war ich gezwungen, mir ein Schlafplatz im Ort zu suchen. Doch ich besaß keinen einzigen Kreuzer. Und das einzige Gasthaus im Ort, bot mir, meines Erachtens, nicht die Möglichkeit, Kost und Logis zu verdienen. Für meine Darbietungen hätte ich dort zahlen müssen. Da meine Kameraden und ich nichts weiter verabredet hatten und jeder von ihnen scheinbar seinen eigenen Weg in Olport ging, wollte ich die Bardenschülerin Verana Lenisdottir aufsuchen, die meine Kameraden und ich bei unserem ersten Besuch in Olport im vergangenen Kornmond [Rondra], im Gasthaus kennen gelernt hatten. Damals war noch Coran bei uns und Verana war die einzige, die mir einfiel, die uns alle zusammen gesehen hatte. Verana wollte ich bitten, eine Nachricht an meine Kameraden von mir, weiter zu geben, falls Verana sie sieht.

Ich erfuhr: Verana wohnte nicht in der Runajasko, bei den anderen Schülern, sondern  bei Lenis. Ihrer Mutter und einzige Instrumentenherstellerin in Olport. Ich suchte die Meisterin des Instrumentenbaus auf und stellte mich Lenis Vanirasdottir vor und dass ich Verana sprechen wollte. Ich erfuhr, dass Verana auf Wanderschaft im Land unterwegs war. Verana mochte der frühe Wintereinbruch ihr eine rechtzeitige Rückkehr nach Olport verwehrt gewesen sein. Aber Lenis war sich sicher, dass Verana auf einem Hof untergekommen war. Dieser Zuversicht stimmte ich zu. Ich kannte Verana als eine kluge und selbstsichere Frau. Ich verhandelte freundlichst mit Lenis, mir einen Schlafplatz und Arbeit für die Zeit des Winters zu geben. Und ich muss gestehen, Lenis war nicht leicht von meinen Fertigkeiten zu überzeugen. Zuerst wollte Lenis mich zu den Handwerkern am Hafen oder den Gerbern schicken, wie auch Askir, der Leiter der Skaldenhalla, zuvor. Doch mir gelang es, Sympathie für mich zu erzeugen. Lenis bot mir Veranas alten Schlafplatz in deren Kammer, sowie täglich Speis und Trank an, wenn ich ihr im Haus zur Hand gehe und ihr den Schuppen ausbessere. Doch darüber hinaus konnte mir Lenis nichts dafür zahlen.

Ich versprach es nicht nur, ich schwörte es mit einem Trygdar-Eider: „Ich Tjure Fenrirsson, schwöre bei Swafnir und Travia; ich werde die Gebote, die du mir in deinem Hause auferlegst, befolgen. Und ich werde die Arbeiten verrichten, die du mir aufträgst, Lenis Vanirasdottir.“ Ich bat Lenis nur noch, mir im Ort den einen oder anderen Taler hinzuverdienen zu dürfen, wenn Zeit dafür sei und sich die Gelegenheit bot. Diesen Wunsch stimmte Lenis zu. So zog ich in die Kammer ihrer Tochter Verana, die ich reinigte und richtete mich entsprechend ein. Danach schlug ich Brennholz und ich bereitete ein bescheidenes Mahl für uns in ihrer Küche zu. Nach dem gemeinsamen Speisen, für dessen Mahl ich ein Lob bekam, schaute ich mir den Schuppen an, den es zu reparieren galt. Im Dach war ein Loch. Feuchtigkeit tropfte auf einen Balken, der zu schimmeln begann und wohl nicht mehr lange halten sollte. Meine Kenntnisse, den Balken fachgerecht auszuwechseln, waren so gut wie gar nicht vorhanden. Ich begnügte mich indes, das Loch im Dach zu reparieren, indem ich dieses mit Brettern zunagelte und Lenis peinlich berührt mitteilte, dass sich jemand, wie ein Schreiner oder Zimmermann den beschädigten Balken ansehen möge oder wenn Lenis die Fachkenntnis besaß, mich entsprechend anleitete, um den Schuppen wieder herzurichten.

Das war also vor zwei Monden im Spät-Herbst. Inzwischen hatten wir Winter und die Dächer und Wege in Olport waren verschneit. Ich traf meine Kameraden im Gasthaus wieder. Fenja, unsere Heilari [Heilerin] hatte einen neuen Stab, den sie hütete, wie ihren Augapfel. Sie lehrte an der Runajasko Heilkunde. Finn, der mittelreichische Gjaldskaper [Söldner] war bei dem Firnelfen Gandlariel unter gekommen. Der weißhaarige Elf brachte Finn den Umgang mit Pfeil und Bogen und die Jagdkunst bei. Ferner unterrichtete Finn die Novizen in der Runajasko mit dem wehrhaften Umgang eines Kampfstabes. Orm Ingridsson, der Thorwaler hatte eine Novizenschaft beim Swafnirgeweihten Starkad Erwiderer, im prächtigen Swafnirtempel, begonnen. Ich war schon ein wenig Neidisch, dass viele meiner Kameraden in der Runajasko untergekommen waren und dort sogar Geld verdienten. Soviel Glück war mir nicht vergönnt. Ich war der Einzige, der ohne einen einzigen Kreuzer in der Tasche, umherlief.  Thalio ya Meniona aus dem Horasreich; der Hesindegeweihte aus dem Orden der Draconiter, war ebenfalls anwesend. Thalio lebte seit unserer ersten Begegnung im Sturmmond [Boron] im Gasthaus. Jorgan, der Galdmader [Magier] besaß neue Kleidung und war in der Runajasko unter gekommen. Dort lehrte er magisches Zeug und Sprachen. Jorgan war es auch, der uns fünf bat, im Gasthaus zusammen zu kommen. Wir waren jetzt wieder zu sechst und bereit für ein neues Abenteuer; das spürte ich.

Jorgan erzählte uns, dass er und Thalio in der Nacht der kommenden Wintersonnenwende, in zwei Tagen, außerhalb von Olport, in einem selten genutzten Turm der Runajasko, die Sterne beobachten und deuten wollten. Es galt, den kompletten Neumond oder wie die Gelehrten sagten, die „Nacht der Toten Mada“ für die Sternenbeobachtung zu nutzen. Das fand am kommenden „Rohalstag“ statt, der für die Magiebegabten eine besondere Bedeutung hatte, erzählten sie. Der Marsch zum Turm würde einen Tag lang dauern. Die Wegbeschreibung und den passenden Schlüssel für das Gebäude hatte Jorgan bereits vom Leiter der Runajasko, Haldrunir Windweiser, bekommen. Jorgan wollte, dass wir gemeinsam den Weg dorthin gingen. Wir sagten alle zu. Fenja fragte Thalio nach dem Orden der Draconiter und Thalio nach passender Winterkleidung für die Reise. Beide berieten sich. Dabei fiel der Name einer Pelzhändlerin: Marta Stjure. Danach gingen Jorgan, Fenja, Finn und Thalio schlafen. Nachdem noch ein paar Runden Met [Honigwein] und Premer Feuer [starker thorwalischer Rübenschnaps] spendiert wurden, bei dem ich nicht nein sagte, verabschiedete ich mich, als meine Becher leer waren, als vorletzter. Nur Orm wollte dem Besäufnis ausharren und ließ sogar bei seiner Wirtin anschreiben. Das Wohl… bei Swafnir.

30. Tag  des Frostmonds [Hesinde] im Jahr 2641JL [1014BF/21Hal]

Ich nahm mir bei Lenis ein paar Tage frei. Wir Sechs trafen uns am darauffolgenden frühen Morgen am Tor der Runajasko. Finn brachte mir einen festen Umhang für die Reise mit, für den ich ihn am Abend zuvor bat. Ich hatte glücklicher Weise noch die Felle aus Gulbladdirstadir, die ich mir um Beine und Leib wickeln konnte. Thalio hatte leider nicht so viel Glück beim beschaffen von Winterkleidung. Auch er hatte auf die Schnelle nur Felle zum umwickeln bekommen. Es gab auch nicht genug Schneeschuhe für alle Reisenden. So mussten wir uns abwechseln, wer voran ging. Jorgan hatte einen Koffer mit Gerätschaften bei sich, wie er sagte und drückte Finn eine lange Lederrolle in die Hand, mit den im Befehlston gewohnten Worten: „Vorsicht, ist zerbrechlich.“ Wir verließen über das Osttor die Stadt. Als wir an den drei swafnirgefälligen Kreidefelsen der Stadt vorbei gingen, grüßte Orm diese mit reichlich Restalkohol im Blut. Dem armen Orm, der „Feenfreund“ und „Trollboxer“ war die letzte durchzechte Nacht deutlich anzusehen. Bei Tageslicht fiel mir auch Orms runder Thorwalschild auf, den er neu bemalt hatte. Der Schild war jetzt blau und auf ihn schwamm ein großer weißer Wal.

Die ohne Schneeschuhe gingen, waren bis zur Hüfte im Schnee. Der Weg war lang, kalt und anstrengend. Spät am Tag kamen wir auf einen kleinen Wald zu. Wir konnten schon die Turmspitze sehen. Jorgan entzündete die Flamme am Ende seines mannslangen Zauberstabes und leuchtete. Als wir durch den Wald gingen, sammelten wir bereits Totholz auf und hielten uns nahe an Jorgans Licht auf. Als wir den Wald verliessen, standen wir etwa 50 Schritt vor dem Turm, der wohl acht bis zehn Schritt hoch war. Der Turm maß etwa vier bis fünf Schritt im Durchmesser. Wir sahen eine Rauchsäule aus dem Schornstein des Turms steigen. Jemand bewohnte also den Turm. Offenbar wusste Jorgan nichts davon, denn auch er schaute verdutzt. Wir legten das gesammelte Totholz auf einen Haufen und machten uns kampfbereit. Jorgan ging zur Tür und machte sich durch lautes klopfen und rufen (ich weiß heute nicht mehr, was) bemerkbar.

Eine Luke im oberen Stockwerk wurde geöffnet und eine Blendlaterne erschien. Eine gelehrte Stimme mit sehr südlichen Akzent rief auf Garethi, ob wir „Hamid“ wären. Der Galdmader Jorgan Meerson stellte sich als Magister vor. Darauf antwortete ihm der ausländische Gelehrte, er hieß „Radwan Ibn Rastawan“. Dann ließ er uns hinein. Wir brachten einiges an Totholz zum verfeuern mit. Im untersten Stockwerk, den ich von nun an das „Erdgeschoss“ nenne, war ein Kamin befeuert. Auch reichlich Feuerholz war vorhanden, trotzdem stapelten wir unser Totholz daneben und wärmten uns am Kamin. Außerdem gab es ein Schrank, einen kleinen Tisch und ein paare einfache Sitzgelegenheiten. Orm dachte beim Anblick des tulamidischen Gelehrten wohl an einen Novadi und fing eine Diskussion über Raschtul oder Rastullah [Gott der Novadis] an. Jorgan stellte Radwan Thalio vor und sie drei wollten in das obere Stockwerk gehen. Orm wollte mit, doch unser Magister Jorgan verbat es dem Swafnirnovizen. Dafür drückte Jorgan ihm sein Brotbeutel in die Hand. Während die gelehrten Herren nach oben gingen und auf Bosparan [Sprache des Alten Reich / heutige Gelehrtensprache] miteinander redeten, ging Jorgans Brotbeutel herum. Niemand von uns hatte daran gedacht, Proviant mitzunehmen.

So unterhielten wir Vier uns untereinander. Fenja erzählte, wie sie ihren Stab wieder erlangte und von Apophis, ihrer Smaragdnatter. Finn war begeistert von seinem Mentor Gandlariel, der ihm so viel über die Elfen beibrachte. Die Elfen glaubten gar nicht an Götter und hatten ihr eigenes Weltbild, dass sich sehr von dem Weltbild von uns Menschen unterschied. Und einmal hatte Gandlariel Finn auf einen Schlitten mit Segeln mitgenommen. Und sie waren über einen zugefrorenen See damit gefahren. Ja beinahe geflogen, so schnell war das. Orm berichtete, dass er und Jorgan herausgefunden hatten, dass die Wassernixe aus dem Geysir damals im Schlachtmond [Travia] aus dem Gefolge von „Swanifrey“ stammte, die ein Kind von Swafnir und Ifirn [die sanfte Wintergöttin] war. Wir redeten auch über Thalio, der nicht nur ein Schwert trug, sondern sogar einen Anderthalbhänder besaß. Ich erzählte von meinem Rausschmiss aus der Runajasko und dass Lenis, Veranas Mutter, die Instrumentenherstellerin, mich aufgenommen hatte. Als wir mit unserem Gespräch endeten, kam auch Jorgan herunter in das Erdgeschoss und beschwerte sich erst einmal über seinen leeren Brotbeutel. Dann legten wir uns alle schlafen. Eine Wache stellten wir nicht auf.

1. Tag  des Grimfrostmond [Firun] im Jahr 2641JL [1014BF/21Hal]

Als Orm und ich wach wurden, waren alle anderen bereits wach. Es wurde getuschelt, natürlich. Lasst mich bloß fern von Hesindes Weisheit sterben, dachte ich mir. War in der Nacht etwas passiert? Ich konnte nichts erkennen. Na gut. Ich suchte auch nicht danach. Aber es sah so aus, als hätten Jorgan und Fenja wieder Geheimnisse. Ich wollte ein Frühstück machen. Doch aus was? Wir baten Finn, der jetzt unser Veidimader [Jäger] war, auf die Jagd zu gehen. Es ist Mühsam, von seinen Misserfolgen zu berichten. So schließe ich seine Saga der Jagdkunst damit ab, dass Finn uns einen erlegten Hasen mitbrachte. Dieser und was ich sonst noch so fand, reichte für eine kräftige Suppe. Während Finn auf Jagd war, studierte Thalio in einem Folianten eine Sternkarte, als ich ihn danach fragte. Ich versuchte mich dafür zu interessieren und stellte ihm ein paar Fragen darüber, doch es schien, als wollte der Draconiter mir nicht die Details erklären. Ich fand es eh langweilig. Danach wollte Thalio auf dem Dach die Instrumente für die kommende Nacht aufbauen. Dafür nahm der Draconiter Jorgans Koffer mit in das obere Stockwerk. Auch die Lederrolle vergaß er nicht. Darin war ein Fernrohr, erfuhren wir.

Wir sahen, dass Jorgan nach dem Frühstück in den Schrank schaute. Scheinbar war er leer, denn er wühlte nicht darin herum. Sonst hätten wir es ja gehört. Dann bat er Fenja mitzuhelfen, den Schrank beiseite zu schieben. Ihre beiden Kraftanstrengung reichte wohl nicht aus, denn der Schrank bewegte sich immer noch nicht. So bat Jorgan mich, ihnen dabei zu helfen. Ich war gerade mit dem säubern des Kessels fertig, spuckte in beide Hände und rieb sie aneinander. Zu dritt schafften wir es, den Schrank von der Wand abzurücken. Dann schauten wir an der Stelle, wo sich der Schrank zuvor befand, in ein dunkles Loch.  

(An dieser Stelle beendeten wir den Spielabend)

Danke an Claas (Finn), Christian (Thalio), Hauke (Orm), Henning (Jorgan), Rike (Fenja) und unseren Spielleiter Frerk.

Dirk Otto (Tjure) für Ludo Liubice

[Dirk Otto: “Meine Texte” (Verlinkungen) …werden ständig aktualisiert. https://www.facebook.com/notes/dirk-otto/dirk-otto-l%C3%BCbeck-meine-texte-verlinkungen-werden-st%C3%A4ndig-aktualisiert/2352626408168319/]

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